3. KAPITEL
Der Friedensplan des
Himmels im Mikrokosmos
In der Botschaft von 13. Juli 1917 versprach die Muttergottes Lucia: “Ich werde kommen, um die Weihe Russlands an mein Unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ersten Samstagen zu verlangen.” Gemäss ihrem Wort erschien die Jungfrau Lucia am 13. Juni 1929 in Tuy, in Spanien, wo Lucia - nun Schwester Lucia dos Santos, eine Dorotheerin, sie würde nicht vor 1948 Karmelitin werden - während der Heiligen Stunde der Anbetung und Sühne in der Konventskapelle im Gebet war. Sogar in den Annalen der anerkannten himmlischen Erscheinungen vor Heiligen der katholischen Kirche, war das ausserordentlich.
Wir werden Schwester Lucia in ihren eigenen einfachen, aber sehr dramatischen Worten wiedergeben lassen:
Ich hatte von meinen Oberen und meinem Beichtvater die Erlaubnis erbeten und erhalten, von Donnerstag auf Freitag, zwischen 23 Uhr und Mitternacht eine Heilige Stunde abzuhalten. Eines nachts als ich alleine war, kniete ich mich in der Mitte der Kapelle vor der Kommunionbank nieder, um prostriert die Engelsgebete zu sprechen. Ich fühlte mich müde und erhob mich und kniete und fuhr fort, sie mit meinen ausgebreiteten Armen in der Form eines Kreuzes zu rezitieren.
Das einzige Licht kam vom ewigen Licht. Plötzlich erfüllte ein übernatürliches Licht die ganze Kapelle und auf dem Altar erschien ein Lichtkreuz, das bis zur Decke reichte. In einem helleren Teil, am oberen Teil des Kreuzes das Gesicht und der Oberkörper eines Mannes, auf seiner Brust war eine ebenso leuchtende Taube und ans Kreuz genagelt der Körper eines weiteren Mannes.
Ein klein wenig unterhalb der Taille, sah man einen in der Luft hängenden Kelch und eine grosse Hostie, auf die ein paar Tropfen Blutes vom Gesicht des Gekreuzigten und einer Wunde in seiner Brust fielen. Diese Tropfen flossen über die Hostie und fielen in den Kelch. Unter dem rechten Arm des Kreuzes war unsere Liebe Frau, die Muttergottes von Fatima mit ihrem Unbefleckten Herzen in ihrer Hand.... Unter dem linken Arm [des Kreuzes] formten einige grosse Lettern, wie wenn kristallklares Wasser den Altar hinunterrönne, die Wörter: “Gnade und Barmherzigkeit.”
Ich verstand, dass es das Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit war, das mir hier gezeigt wurde...48
Frère Michel hat diese Erscheinung richtig die “trinitarische Theophanie” genannt. So wie mit dem Sonnenwunder gibt es in der Weltgeschichte nichts Vergleichbares. Damit hat Gott Selbst die einzigartige Wichtigkeit dessen, was die Muttergottes Lucia mittzuteilen im Begriff war aufgezeigt:
Der Moment ist gekommen, in dem Gott den Heiligen Vater auffordert, in Vereinigung mit allen Bischöfen der Welt, die Weihe Russlands an mein Unbeflecktes Herz zu vollziehen und verspricht, es dadurch zu retten.
Gott Selbst verlangte das. Schwester Lucia war in der Gegenwart, nicht bloss der Gottesmutter, sondern der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Natürlich vertraute Schwester Lucia die göttliche Forderung unmittelbar ihrem Beichtvater, P. Gonçalves an, wie aus ihrer veröffentlichten Korrespondenz mit ihm hervorgeht.49
Für mehr als die nächsten sieben Jahrzehnte, gab Schwester Lucia dasselbe Zeugnis: Die Gottesmutter, als die Botschafterin Gottes, hatte die öffentliche Weihe Russlands in einer, vom Papst in Gemeinschaft mit den Bischöfen der Welt gemeinsam vollzogenen Zeremonie gefordert.
Gleichsam, um die Wirksamkeit der, von der Jungfrau geforderten Weihe aufzuzeigen, sorgte der liebe Gott für ein Demonstrationsprojekt, wie es sich ergab, in Portugal. Am Jahrestag der ersten Erscheinung in Fatima, am 13. Mai 1931, in der Gegenwart von 300.000 Gläubigen, die für das Ereignis nach Fatima gekommen waren, weihten die Bischöfe Portugals feierlich ihre Nation dem Unbefleckten Herzen Mariae. Diese guten Bischöfe stellten Portugal unter den Schutz der Gottesmutter, um es vor der kommunistischen Seuche, die durch ganz Europa, besonders Spanien grassierte, zu bewahren. Tatsächlich erfüllte sich bereits die Vorhersage der Jungfrau über die Verbreitung von Russlands Irrtümern in der ganzen Welt mit unnachgiebiger Genauigkeit. Und wer hätte schon im Juli 1917 das Hervortreten eines Weltkommunismus aus Russland vorhersehen können - Monate vor der bolschewikischen Revolution und Lenins Aufstieg zur Macht? Nur der Himmel konnte es vorhersehen; nur die Muttergottes, informiert durch Ihren göttlichen Sohn.
Als Resultat dieser Weihe erfuhr Portugal ein dreifaches Wunder, von dem wir hier nur die wichtigsten Fakten erwähnen.
Zuerst einmal gab es das eine grossartige katholische Wiedergeburt, so auffallend, dass diejenigen, die sie durchlebten, sie unzweifelhaft dem Werk Gottes anheimstellten. Während dieses Zeitraumes erfuhr Portugal ein drastisches Ansteigen der priesterlichen Berufungen. Die Anzahl der Ordensmitglieder vervierfachte sich in 10 Jahren. Orden wuchsen ebenso. Es gab eine weitreichende Erneuerung des christlichen Lebens, die sich in vielen Bereichen zeigte, so in der Entwicklung einer katholischen Presse und eines katholischen Radios, sowie von Pilgerfahrten, Einkehren, und einer kräftigen katholischen Aktion, die in den Rahmen des diözesanen und pfarrlichen Lebens eingebaut wurde.
Diese katholische Wiedergeburt war von einem solchen Umfang, dass die Bischöfe Portugals 1942 in einem gemeinsamen Hirtenbrief erklärten:
Jedermann, der vor 25 Jahren seine Augen geschlossen hätte und jetzt öffnete, würde Portugal nicht wiedererkennen, soweit geht die Umwandlung, die durch den bescheidenen und unsichtbaren Faktor der Erscheinung der seligen Jungfrau in Fatima hervorgerufen wurde. Wirklich, unsere Liebe Frau möchte Portugal retten.50
Es geschah auch das Wunder der politischen und sozialen Refom im Einklange mit den katholischen Sozialprinzipien. Kurz nach der Weihe von 1931, übernahm ein katholischer Führer in Portugal die Macht, Antonio Salazar, der ein katholisches und gegenrevolutionäres Programm einführte. Salazars Einfluss in der portugiesischen Regierung war seit 1928 angewachsen. 1933 wurde er Ratspräsident. Er bemühte sich, soweit möglich, eine katholische Sozialordnung zu schaffen, in der die Gesetze der Regierung und der sozialen Insitutionen mit den Gesetzen Christi, Seines Evangeliums und der Kirche übereinstimmten. Als ein scharfer Gegner des Sozialismus und Liberalismus, war er gegen “alles was die Familie herabsetzt oder auflöst.”51
Präsident Salazar sprach hier nicht nur eine Schlagzeile aus; er setzte eine Gesetzgebung zum Schutze der Familie durch, einschliesslich Gesetzen, die gegen die Scheidung waren. Artikel 24 lautete: “In Harmonie mit den wesentlichen Eigenschaften der katholischen Ehe: Es versteht sich, dass durch die Schliessung einer kanonischen Ehe die Brautleute das gesetzliche Recht, die Scheidung einzureichen aufgeben.”52 Der Effekt dieses Gesetzes war keine Verminderung der Anzahl der katholischen Ehen, sondern ein Anwachsen. Sosehr, dass 1960 - wie wir sehen werden, ein sehr kritisches Jahr - über 90 Prozent aller Ehen im Lande katholisch waren.
Zusätzlich zu diesen erstaunlichen politischen und religiösen Veränderungen, gab es ein doppeltes Wunder des Friedens. Portugal wurde vor dem kommunistischen Terror bewahrt, besonders vom spanischen Bürgerkrieg, der nebenan tobte. Portugal wurde auch vor den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges bewahrt.
Was den spanischen Bürgerkrieg angeht, so hatten die portugiesischen Bischöfe 1936 geschworen, wenn die Muttergottes Portugal beschützen würde, dann würden sie ihre Dankbarkeit durch die Nationalweihe an das Unbefleckte Herz Mariae zum Ausdruck bringen. Ihrem Wort getreu, erneuerten sie am 13. Mai 1938 als Dank für ihren Schutz die Weihe Portugals an ihr Unbeflecktes Herz. Kardinal Cerejeira anerkannte öffentlich:
Seit die Muttergottes von Fatima 1917 erschienen ist... ist ein besonderer Segen Gottes über das Land Portugal gekommen... besonders wenn wir die zwei Jahre betrachten, die seit unserem Schwur vergangen sind, dann kann man es nicht verabsäumen festzustellen, dass die unsichtbare Hand Gottes Portugal beschützt hat und es vor der Geissel des Krieges und der Pest des atheistischen Kommunismus bewahrt hat.
Sogar Pius XII. brachte sein Erstaunen, dass Portugal vor den Schrecken des spanischen Bürgerkrieges und der kommunistischen Bedrohung bewahrt worden war zum Ausdruck. In einer Ansprache an die Portugiesen sprach der Papst von “der roten Gefahr, euch so nahe und so bedrohlich und dennoch auf so unerwartete Weise vermieden.”53
Die Portugiesen entgingen dieser ersten Gefahr unberührt, aber unmittelbar danach sahen sie einer zweiten ins Gesicht. Der Zweite Weltkrieg stand vor dem Ausbruch und zwar in einer weiteren Erfüllung der Prophezeiung der Jungfrau vom 13. Juli 1917, gemässe der der Krieg unter “der Herrschaft Pius XI.” beginnen würde nach einer “Nacht, die durch ein unbekanntes Licht erleuchtet” werden würde.
Am 6. Februar 1939, sieben Monate vor der Kriegserklärung, schrieb Schwester Lucia an ihren Bischof, Mons. da Silva. Sie teilte ihm mit, dass der Krieg vor der Türe stünde, aber dann sprach sie von einem wunderbaren Versprechen. Sie sagte: “In diesem Krieg wird Portugal wegen der, von den Bischöfen vollzogenenen nationalen Weihe an das Unbefleckte Herz Mariae verschont werden.”54
Und Portugal wurde von den Schrecken des Krieges verschont, was im Detail hier zu weit führen würde.55 Und noch bemerkenswerter ist, dass Schwester Lucia am 2. Dezember 1940 Pius XII. schrieb um ihm mitzuteilen, dass Portugal während des Krieges einen besonderen Schutz erhalten würde, den andere Nationen erhalten hätten, wenn sie von ihren Bischöfen dem Unbefleckten Herz Mariae geweiht worden wären. Sie schrieb:
Heiligster Vater, unser Herr verspricht aufgrund der Weihe des Landes durch die portugiesischen Prälaten an das Unbefleckte Herz Mariae, unserem Land in diesem Krieg einen besonderen Schutz; als Beweis der Ganden, die anderen Nationen gewährt worden wären, wenn sie sich auch ihr geweiht hätten.56
Ähnlich zögerte auch der Kardinal Portugals, Cerejeira, nicht, die grossen Gnaden, die sie für Portugal in dieser Zeit erwirkt hatte, ihr zuzuschreiben. Am 13. Mai 1942 sagte er:
Um das, was sich die letzten 25 Jahre hier abgespielt hat auszudrücken, verfügt das portugiesische Vokabular nur über ein Wort: Wunder. Ja, wir sind überzeugt, dass wir die wunderbare Verwandlung Portugals dem Schutze der seligsten Jungfrau verdanken.57
Kardinal Cerejeira hielt das aufrecht, worauf wir in diesem ganzen Werk bestehen werden: dass die wunderbaren Segnungen, die die Muttergottes für Portugal als himmlischem Lohn für die 1931 erfolgte Weihe dieser Nation erwirkt hatte, nur ein Vorgeschmack dessen waren, was sie für die ganze Welt tun wird, wenn einmal Russland entsprechend ihrem Unbefleckten Herzen gewidmet ist.58 Wie der Kardinal sagte: “Was in Portugal geschah, verkündet das Wunder. Und es deutet darauf hin, was das Unbefleckte Herz Mariae für die Welt vorbereitet hat.”59
Es ist nicht schwer nachzuvollziehen, warum Portugal zu dieser Zeit “das Schaufenster der Gottesmutter” genannt wurde. Und das dreifache Wunder ist nur eine Vorschau, wie Russland und die Welt nach der kollegialen Weihe Russlands aussehen werden. Das wunderbare Beispiel von Portugal ist auch hilfreich als Massstab für die Beurteilung der Gegenwart. Wenn wir das dreifache Wunder von Portugal mit dem gegenwärtigen Zustand Russlands und der Welt vergleichen, dann ist es offensichtlich, dass die Weihe Russlands erst vollzogen werden muss (Wir werden das später noch sehen).
Handlungen zu setzen, die die Weihe Russlands verhindern und damit der Kirche und der Welt den himmlischen Schatz, den Marias Fürsprache für Portugal erreicht hatte, ist für Männer in hohen Ämtern der Kirche nicht nur eine monumentale Dummheit, sondern auch ein unkalkulierbares Verbrechen. Dieses Verbrechen hat die Veröffentlichung dieses Buches motiviert.
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Schwester Lucia und Mons. da Silva |
Notes:
48 Br. Michel, I., pp. 463f.
49 Br. Michel, II., pp. 462-465; P. Antonio Maria Martins ed., Memorias e Cartas da Irma Lucia (Porto, Portugal 1973), pp. 463-465.
50 Gemeinsamer Hirtenbrief zum Jubiläum der Erscheinungen, 1942, zitiert in: Br. Michel, II., p. 410.
51 Ibidem, p.415. Zitiert sind Salazars eigene Worte. Später erhielt Salazar für seine Bemühungen das Lob und den Segen Pius XII. Pius sagte: “Wir segnen ihn mit unserem ganzen Herzen und wir haben das brennende Verlangen, dass er imstande sein wird, sein Werk der nationalen Restauration, sowohl spirituell als auch materiell erfolgreich zu vollenden.” Br. Michel, II., p. 412.
52 Ibidem, p.421.
53 Ibidem, p. 422.
54 Ibidem, p. 428.
55 Cf. Br. Michel, II., pp. 369-439.
56 Ibidem, p. 428.
57 Ibidem, p. 405. Kardinal Cerejeira sprach diese Worte 1942 während der Jubiläumsfeiern der Erscheinungen von Fatima.
58 Wir glauben hier, wie man sehen wird, lieber einem Kardinal Cerejeira, der an Fatima glaubte, als einem Kardinal Ratzinger, der es herabsetzt.
59 Br. Michel, II, p.437. Zitiert wird die Präfation des Kardinals zu Jacinta, Obras Pastorais, vol. II. (1942), p. 333. Cf. Predigt vom 13. Mai 1942.

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