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13. KAPITEL

Lasst uns die Zeugin hören
um Himmels Willen

       Nicht einmal die Ereignisse vom 11. September 2001 schreckten die römische Kurie davon ab, die Parteilinie Sodanos, dass Fatima “der Vergangenheit angehört” durchzusetzen. Im Gegenteil, die Anstrengung, die Parteilinie der Kirche aufzuzwingen, verstärkte sich, als ob Kardinal Sodano und andere erkannt hatten, dass das Ereignis vom 11. September Katholiken aufwecken könnte zu einem Bewusstsein, dass - hoppla - Fatima noch nicht zu Ende ist, da wir offensichtlich nichts wie einen Triumph des Unbefleckten Herzens oder die versprochene Periode des Friedens erleben. Irgend eine Art drastischer Handlungsweise, um die Parteilinie zu bestärken wurde benötigt.

       Am 12. September 2001, buchstäblich Stunden nach dem Fall des World Trade Centers, veröffentlichte das vatikanische Pressebüro das Topbulletin des Tages: eine Erklärung der Kleruskongregation betreffend nicht den Terroristenangriff, nicht die horrenden Skandale, die fast täglich in der Priesterschaft ausbrechen, nicht die Verbreitung der Häresie und des Ungehorsams des Klerus in den letzten vierzig Jahren, sondern P. Gruner, den Fatimapriester. Die Erklärung besagte dass sie von einer “höheren Autorität” kommt, vatikanischer Dialekt für den Staatssekretär, nicht den Papst.

       Die Erklärung warnte die ganze Welt über eine Gefahr für das Wohl der katholischen Kirche, eine Gefahr von solcher Grösse, dass die Kleruskongregation nicht einmal wartete, bis der Staub über dem World Trade Center sich gelegt hatte. Die Gefahr bestand in einer Konferenz über Fatima und den Weltfrieden in Rom, gesponsert von P. Gruner.

       Ja, die Priorität des Vatikans innerhalb der ersten Stunden nach der schlimmsten Terroristenattacke in jüngerer Geschichte war, jedermann aufzufordern, einer Konferenz über Fatima und den Weltfrieden fernzubleiben. Warum? Weil, so sagte die Erklärung, die Konferenz “hat nicht die kirchliche Approbation.” Der Herausgeber der Deklaration wusste natürlich, dass eine Erlaubnis für eine Konferenz von Laien und Klerikern gemäss dem Kirchenrecht nicht nötig ist. Der von Johannes Paulus II. promulgierte Codex des Kirchenrechtes anerkennt das natürliche Recht der Gläubigen sich zu treffen und Angelegenheiten, die die Kirche betreffen ohne jede “Approbation” zu diskutieren (cc. 212, 215, 278, 299). Der Vatikan verabschiedet keine Dekrete über den Mangel an “Approbation” bezüglich unzähliger Konferenzen, die von Befürwortern der Priesterweihe der Frau und ähnlicher Häresien abgehalten werden und ein natürliches Recht missbrauchen und grossen Schaden in der Kirche anrichten. Man könnte auch sagen, dass die Apostolatskonferenz in Rom von der American Medical Association nicht approbiert wurde. Na und?

       Aber das war noch nicht das schlimmste. Die Erklärung sagte auch, dass P. Gruner durch den Bischof von Avellino suspendiert worden wäre. Suspendiert wofür? Für nichts, wie es scheint, denn es wurden keine Gründe angegeben. Der Grund für diese merkwürdige Unterlassung war jedem, der P. Gruners kanonische Vorgänge kannte, sofort klar: Die “Gründe” waren so dünn, dass sie öffentlich zu nennen nur eine Einladung zum Gelächter wäre.

       Die einzige jemals gegebene Ausrede für die “Suspendierung” war, dass P. Gruner nach Avellino in Italien zurückkehren muss (wo er 1976 geweiht worden war), nachdem er “es nicht geschafft hatte,” einen neuen Bischof für die Inkardination zu finden. Aber die Erklärung unterliess es zu erwähnen, dass drei freundlich gesinnte Bischöfe angeboten hatten, P. Gruner mit der ausdrücklichen Erlaubnis, sein Apostolat fortzusetzen zu inkardinieren und dass jedesmal die Inkardination blockiert oder als “nicht existent” erklärt wurde und zwar durch dieselben vatikanischen Bürokraten, die jetzt die “Suspendierung” angekündigt hatten. Das heisst, P. Gruner wurde “suspendiert” für die Nichausführung eines Befehls, den seine Ankläger selbst ihn gehindert hatten auszuführen. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass der Bischof von Avellino gar keine Autorität mehr über ihn hat, denn P. Gruner ist mittlerweile in einer anderen Diözese inkardiniert.

       Fast vierzig Jahre nachdem der “Frühling” des Zweiten Vatikanums begann, war die Weihe Russlands, nicht der Welt, nicht der Jugend, die “nach einem Sinn des Lebens sucht,” nicht der Arbeitslosen, sondern Russlands immer noch nicht vollzogen. Die Welt wird durch Lokalkriege erschüttert, durch den islamischen Terrorismus und den Holocaust der Abtreibung, während es ständig klarer wird, dass wir auf eine Apokalypse zusteuern. Die islamischen Fundamentalisten, die der Vatikandiplomat jetzt gerne “unsere islamischen Brüder” nennt, hassen uns und wollen uns umbringen oder unterwerfen, wie der Koran ihnen sagt. Nach vierzig Jahren des nutzlosen “ökumenischen Dialoges” sind die protestantischen Sekten noch mehr moribund, als am Anfang und die Orthodoxen sind sturer denn je in ihrer Zurückweisung des Vikars Christi. Die Kirche ist tief verwundet durch Häresie und Skandal in Diözesen in der ganzen Welt, wo sie alle Glaubwürdigkeit verloren hat wegen der Korruption ihrer Mitglieder. Die Neuorientierung des Zweiten Vatikanums ist ein völliges Debakel und ein ruinöser Fehltritt. Aber in der Mitte all dieses Todes, Chaos, Häresie, Skandal und Apostasie, die ihrem Höhepunkt zueilen, sah es der Vatikan als unbedingt notwendig - jetzt sofort! - die Welt von der Gefahr durch P. Nicholas Gruner zu unterrichten.

       Und so wurde P. Gruner - der kein Verbrechen gegen den Glauben und die Moral begangen hatte, der für die ganzen 25 Jahre seines Priestertums seine Versprechen gehalten hatte, der keine Ministranten oder Frauen belästigt hatte, der kein Geld gestohlen hatte und keine Häresie gepredigt - öffentlich in einer Erklärung, die keinen Grund für die Verurteilung angab und die den Mandat einer “höheren Autorität” die nicht einmal den Mut hatte sich selbst zu nennen verurteilt. Die Bessessenheit des Staatssekretärs, P. Gruner - das Symbol des Widerstandes gegen die Parteilinie - zu zerstören, hatte ein Niveau der Obszönität erreicht.

       Warum? Es kann nur eine tiefsitzende Antipathie sein gegen die Botschaft von Fatima und all das was sie für die Neuorientierung der Kirche bedeutet, die Kardinal Sodano und seine Mitarbeiter so unverrückt durchsetzen. Fatima, so scheint es, alrmiert sie mehr, als der Zustand der Welt. Dabei würde der Zustand der Welt und der Kirche sich doch radikal verbessern, wenn die Verfolger P. Gruners nur die Wünsche der Muttergottes erfüllen würden.

       Aber Kardinal Sodano hatte sich verkalkuliert. Die Publikation der grundlosen Verurteilung des Fatimapriesters nur Stunden nach dem Terroristenangriff vom 11. September war so anrüchig, dass viele, die die Erklärung sonst einfach so akzeptiert hätten begannen, sich den Kopf zu zerbrechen über das groteske Datum. Warum war die römische Kurie in einer von klerikalen Verrätern in jedem Land unterminierten Kirche über diesen einen Priester so besorgt?

       P. Gruner zum Sündenbock zu machen, würde nicht erfolgreicher sein, als all die anderen Strategien gegen Fatima. Entgegen dem, was manche Prälaten zu hoffen scheinen, kann man Fatima nicht auf einen Priester zurückschrauben. In den Wochen, die der Deklaration über P. Gruner folgten, brachten andere prominente Katholiken ernste Zweifel über Sodanos Parteilinie über das dritte Geheimnis zum Ausdruck. Es war nicht nur Mutter Angelica, die ihre Meinung “dass wir nicht alles erhalten haben” zum Ausdruck brachte.

       Am 26. Oktober 2001 wurde die Geschichte schliesslich weithin bekannt, nachdem 30 Tage (mit anderen italienischen Publikationen) einen Artikel lancierte mit dem Titel: “Das Geheimnis von Fatima: Kommt da noch mehr?” Der Artikel berichtete:

       Die Neuigkeit kam gerade heraus, dass Schwester Lucia dos Santos, die letzte überlebende Seherin von Fatima, vor einigen Wochen Papst Johannes Paulus II. einen Brief sandte, von dem berichtet wird, dass er ihn warnte, sein Leben wäre in Gefahr. Gemäss vatikanischen Quellen wurde der Brief, der behauptete, dass im dritten Geheimnis erwähnte Ereignisse noch nicht stattgefunden hätten, von dem emeritierten Bischof von Fatima, Alberto Cosme do Amaral irgendwann nach dem 11. September Johannes Paulus überreicht.

       Über den Brief befragt, verneinte der gegenwärtige Bischof von Fatima, Serafim Ferreira de Sousa, nicht “dass Schwester Lucia dem Papst einen Brief geschickt hätte, sagte aber: ‘Es gibt keine Briefe der Seherin, die eine Furcht um das Leben des Papstes aussprechen.’” Der Artikel in 30 Tage berichtete weiter, dass “Quellen angeben, dass Schwester Lucias Brief den Papst ermuntert, das dritte Geheimnis voll zu offenbaren” und dass über Schwester Lucias Brief an den Papst “gesagt wird, dass er eine Warnung enthalte: ‘Bald wird es eine grosse Umwälzung und Bestrafung geben.’”

       Der Artikel in 30 Tage berichtet von einem weiteren heimlichen Treffen mit Schwester Lucia hinter den Mauern des Konvents - nur diesmal nicht der Parteilinie folgend. Laut 30 Tage behauptete ein italienischer Diözesanpriester namens Luigi Bianchi “letzte Woche Schester Lucia in ihrem Klausurkonvent des Karmels von Coimbra getroffen zu haben.” In einem Echo auf den Verdacht von Mutter Angelica, spekulierte Don Bianchi “über die Möglichkeit, dass der Vatikan nicht das vollständige dritte Geheimnis veröffentlichte um zu vermeiden, eine Panik und Angst in der Bevölkerung zu verursachen; sie nicht zu erschrecken.”

       Was nun die lächerliche “Interpretation,” des Geheimnisses als Prophezeiung des 1981 er Attentates in BF angeht, so sagte Don Bianchi:

       Die Botschaft spricht nicht nur über ein Attentat auf den Pontifex, sondern spricht über einen “Bischof in Weiss gekleidet” der durch die Ruinen geht und an den Körpern ermordeter Männer und Frauen.... Das bedeutet, dass der Papst viel zu leiden haben wird, dass einige Nationen verschwinden werden, dass viel Menschen sterben werden, dass wir den Westen verteidigen müssen, bevor er islamisiert ist. Das ist es was in diesen Tagen geschieht.

       30 Tage war bedacht darauf, wie auch der Fatima Crusader, daran zu erinnern, dass Schwester Lucia “mit niemandem sprechen darf ohne vorherige Erlaubnis des Vatikans...” Entsprechend versicherte sich 30 Tage mit der Bemerkung: “Es ist nicht unmittelbar klar, ob P. Bianchi diese Erlaubnis hatte, sie umging, oder Schwester Lucia gar nicht traf so wie er sagte.” Aber niemand, einschliesslich Schwester Lucia, hat jemals geleugnet, dass das Treffen stattfand.

       Dass wenigstens einige Quellen von 30 Tage in der Kurie sind, wurde durch Kardinal Ratzingers Kommentar zu diesen Entwicklungen klar. 30 Tage zitiert ihn mit “jüngste Gerüchte über einen Brief sind nur die Fortsetzung ‘eines alten polemischen Feldzuges bestimmter Leute mit zweifelhafter Glaubwürdigkeit’ mit dem Ojektiv ‘das interne Gleichgewicht in der römischen Kurie umzuwerfen und das Volk Gottes zu belästigen.’” Man bemerke dennoch, dass Kardinal Ratzinger die Existenz des Briefes von Schwester Lucia an den Papst nicht leugnet.

       Ratzingers Bemerkung ist vielsagend. Wie könnten Leute “zweifelhafter Glaubwürdigkeit das interne Gleichgewicht der römischen Kurie” umwerfen? Wenn ihre Glaubwürdigkeit so zweifelhaft ist, dann würde die römische Kurie kaum destabilisiert werden? Und wer sind diese Leute “zweifelhafter Glaubwürdigkeit”? 30 Tage meinte, Ratzinger könnte P. Gruner gemeint haben, aber wie steht es mit Mutter Angelica? Was ist mit Don Bianchi? Was ist mit 30 Tage selbst, dessen Herausgeber, Robert Moynihan, wenn überhaupt, dann der römischen Kurie verpflichtet ist. Und was ist mit den Millionen von Katholiken, die den wohlbegründeten Verdacht hegen, dass BF völlig offen ist mit seiner Behauptung, dass die Botschaft von Fatima, einschliessliche des dritten Geheimnisses “der Vergangenheit angehört”? Welch ein ernster Katholik glaubt das in seinem Herz angesichts der heutigen Weltlage?

       Trotz der bestimmten Bemühung, die Parteilinie durchzusetzen (einschliesslich einer Mitteilung im Sowjet-Stil, dass P. Gruner nun als “Unperson” einzustufen sei), wundern sich Katholiken weltweit, was aus den Worten wurde, die der Schlüsselphrase “In Portugal wird das Dogma des Glaubens erhalten bleiben etc.” folgen. Warum war BF vor dieser Phrase davongerannt und hatte sie in eine Fussnote gesetzt? Was ist mit den fehlenden Worten der Jungfrau passiert? Wo ist die versprochene Bekehrung Russlands? Warum giebt es keine Periode des Friedens, wie die Jungfrau versprach?

       Angesichts dieser Fragen, die nicht weggingen, machte die römische Kurie nun noch einen Versuch, den Deckel auf den überkochenden Topf einer wachsenden Spekulation über eine Verschwörung zu legen, bevor er wirklich überging. Kardinal Ratzingers Bemerkung über eine destabilisierte Kurie wäre ein Hinweis darauf, dass es in der römischen Kurie selbst Widerstand gab, vielleicht angesichts der zunehmenden Destabilisierung der Welt ansich, die sich mit der BF-Feststellung, dass Fatima der Vergangenheit angehört, kaum vereinbaren lässt.

       Diesmal war das strategische Spiel ein weiteres geheimes Interview mit Schwester Lucia in ihrem Konvent in Coimbra. Das Interview wurde am 17. November 2001 durch Erzbischof Bertone geführt aber aus irgend einem Grund über einen Monat lang nicht veröffentlicht. Erst am 21. Dezember 2001 veröffentlichte L'Osservatore Romano Mons. Bertone's Kommuniqué unter dem Titel: “Treffen Seiner Exzellenz Mons. Tarcisio Bertone mit Schwester Maria Lucia von Jesus und dem Unbefleckten Herzen.”

       Der Sucus des Kommuniqués war, dass Schwester Lucia gesagt haben soll, dass die Weltweihe von 1984 für Russland genügt und das “alles veröffentlicht wurde und da sind keine Geheimnisse mehr.” Wie wir schon gezeigt haben, widerspricht diese Aussage dem, was Schwester Lucia ein Leben lang gesagt hat. Diese letzte Aussage ist als Antwort auf eine Frage veröffentlicht, aber die Frage kennt man nicht.

       Wenn eine Zeitung ein Interview mit einer bekannten Person veröffentlicht, dann erwartet der Leser sich eine Reihe von vollständigen Fragen mit den vollständigen Antworten, sodass der Leser selbst sagen kann, was der Befragte zu sagen hatte. Nicht in diesem Fall. Obwohl wir informiert werden, dass Mons. Bertone und Schwester Lucia “mehr als zwei Stunden miteinander sprachen,” so liegt uns nur Mons. Bertones Summarium vor. Keine Niederschrift, Video oder Audio der zweistündigen Sitzung wurde angefertigt. Weniger als zehn Prozent dessen, was Schwester Lucia sagt hat überhaupt etwas mit dem genannten Zweck des Interviews zu tun, nämlich andauernde Zweifel über die Weihe Russlands und die Vollständigkeit der Veröffentlichung des dritten Geheimnisses durch den Vatikan zu beantworten.

       Vielleicht sollten wir uns an verdächtige Unregelmässigkeiten der Art und Weise, wie die römische Kurie Schwester Lucia behandelt schon gewöhnt haben, und das so spät veröffentlichte “elliptische Interview” war keine Ausnahme. Das Kommuniqué zeigt, dass Schwester Lucia immer noch wie eine Gefangene des Zeugenschutzprogrammes behandelt wird. Natürlich ist sie eine Klausurnonne. Aber ein Interview ist ein Interview und zwei Stunden Gespräch sind zwei Stunden Gespräch. Wo ist das Interview und was geschah mit den zwei Stunden Gespräch? Warum lässt man Schwester Lucia nicht einfach selbst sprechen und legt damit alle Fragen ad acta?

       Trotz der Veröffentlichung von BF, dem angebliche letzten Wort über Fatima, werden Mikrophone und neutrale Zeugen eisern von Schwester Lucia ferngehalten. Sie war während dieser veröffentlichung unsichtbar und bleibt es heute noch.

       Mons. Bertone untergräbt die Glaubwürdigkeit des Kommuniqués sofort mit der folgenden Behauptung:

       In der Fortsetzung der Diskussion über das Problem des dritten Geheimnisses von Fatima, sagte sie [Schwester Lucia], dass sie das, von der Glaubenskongregation veröffentlichte Büchlein aufmerksam gelesen und erwogen hätte und alles was es sagt bestätigt.

       Das kann nur eine Täuschung sein. Mons. Bertone verlangt von den Gläubigen, dass sie folgendes glauben:

  • Schwester Lucia “bestätigt” BFs Version, dass die Vision Bilder enthält, die sie “in frommen Büchern” gesehen hätte. Also bestätigt sie, dass es Phantasie wäre.314
  • Schwester Lucia “bestätigt” Kardinal Ratzingers Lob für Edouard Dhanis, obwohl dieser jeden prophetischen Aspekt von Fatima als “unbewusste Fabrikation” abwies.

       Man muss da schon vernünftig sein. Wenn ein vatikanischer Funktionär, egal was seine Position ist, aus einer Konventsklausur kommt und behauptet, eine 94 jährige Nonne “bestätigt alles” in einem vierzig Seiten langen Dokument, bei dem er Mitautor ist, dann erwartet man sich schon ein bisschen mehr als Beweis. Umsomehr, wenn dieses Dokument behauptet, dass die Nonne in Frage eine fromme Legende aufgekocht hat, die die Kirche achtzig Jahre lang in Spannung hielt.

       Aus diesem Grund schon muss man zu dem Schluss kommen, dass das jüngste geheime Interview mit Schwester Lucia nur ein weiterer Versuch ist, eine gefangene Zeugin zu missbrauchen, der erst einmal erlaubt werden muss, hervorzutreten und in ihren eigenen ungefilterten Worten zu den Gläubigen zu sprechen.

       Während es alleine aufgrund dieser Tatsache klar ist, dass das “Interview” höchst verdächtig ist, so muss dies trotzdem für den Geschichtsbericht gezeigt werden.

       Mons. Bertones Kommuniqué gibt zu:

       In den letzten Monaten, vor allem aber nach dem traurigen Ereignis der Terroristenattacke vom 11. September, sind in ausländischen und italienischen Zeitungen Artikel erschienen, die angebliche neue Offenbarungen Schwester Lucias betreffen, Ankündigungen von Warnbriefen an den obersten Pontifex, apokalyptische Neuinterpretationen der Botschaft von Fatima. Ausserdem wurde der Verdacht erneut hervorgebracht, dass der Heilige Stuhl nicht den vollständigen Text des dritten Teils des “Geheimnisses” veröffentlicht hat und einige “Fatimisten” bewegungen haben die Anklage wiederholt, dass der Heilige Vater Russland noch nicht dem Unbefleckten Herzen Mariae geweiht hat. Aus diesem Grund... wurde es alsnotwendig erachtet, ein treffen mit Schwester Lucia zu organisieren.

       Während die eventuelle Erfüllung der Prophezeiungen von Fatima unvermeidlich ist, so ist die Frage für uns heute, ob die Welt zuerst die vorhergesagten Bestrafungen voll erleiden wird müssen, einschliesslich der Vernichtung mehrerer Nationen, ein Ereignis, dass in der Vision sichtlich dargestellt wird.

       Das Bertone Interview allerdings unterliess es, die andauernde öffentliche Sorge in der Kirche über die Warnungen von Fatima anzusprechen. Im Gegenteil, Mons. Bertone setzte seine gesamte Position und in der Tat das Schicksal der Welt für die Parteilinie ein.

       Lasst uns die Umstände des Interviews überprüfen mit dem Standard der Glaubwürdigkeit, den selbst eine gottloses Ziviltribunal für die Annahme einer Zeugenaussage aufstellen.

       Verdächtiger Umstand no. 1: Obwohl Schwester Lucia bereit ist für ein persönliches Zeugnis, so wurde sie nie von ihrem Bewacher darum gebeten: Joseph Kardinal Ratzinger.

       Das Kommuniqué eröffnet selbst, dass sogar Bertone nicht ohne Erlaubnis von Kardinal Ratzinger mit Schwester Lucia sprechen durfte. Das bestätigt nur, was der Fatima Crusader seit Jahren berichtet und der oben genannte Artikel in 30 Tage auch feststellte. Das ist eine sehr merkwürdige Einschränkung der Freiheit eines Individuums, die - wie uns gesagt wird - dem bereits Gesagten nichts hinzuzufügen hat.

       Unter dem minimalen Standard der Glaubwürdigkeit in Zivilprozessen werden Zeugen verpflichtet persönlich auszusagen, wenn sie erreichbar sind, sodass die Parteien in dem Fall, auf deren Rechte sich die Zeugenaussage auswirken könnte, die Gelegenheit bekommen, den Zeugen zu befragen. Wenn eine Partei die Kontrolle über einen Zeugen hat und es unterlässt ihn vorzustellen, dann instruieren Zivilrichter die Jury, dass sie den Schluss ziehen können, dass die Zeugenaussage für die eigene Partei unvorteilhaft gewesen wäre. Das sagt einem der gesunde Menschenverstand: Eine Partei wird es nicht unterlassen, einen vorteilbringenden Zeugen vorzuführen, nicht aber einen nicht vorteilbringenden.

       Schwester Lucia ist bereit, im Falle von Fatima in den Zugenstand der Geschichte zu treten. Sie ist nicht bettlägrig, behindert oder sonst irgendwie unfähig aufzutreten. Im Gegenteil behauptet das Kommuniqué, dass Schwester Lucia am Tag des heimlichen Interviews “in Form, luzid und lebendig schien.” Warum wurde ihr jüngstes “Zeugnis” dann hinter verschlossenen Türen geholt und dann in indirekter Rede in einem Kommuniqué wiedergegeben?

       Was würde in einem Zivilprozess geschehen, wenn eine der Parteien einen teilweisen Bericht einer Schlüsselzeugenaussage ablegte, wenn der Zeuge leicht selbst aussagen könnte? Die Jury würde richtigerweise den Schluss ziehen, dass irgendwas verheimlicht wurde. Im Fatimafall muss man den Schluss ziehen, dass Schwester Lucia aus dem Zeugenstand ferngehalten wurde, weil ihr direktes unkontrolliertes Zeugnis Sodanos Parteilinie widersprechen würde.

       Verdächtiger Umstand no. 2: Das Interview mit der 94jährigen Nonne wurde von Erzbischof Bertone, einer autoritativen Figur mit einem klaren Motiv, die Zeugin zu manipulieren, im Geheimen ausgeführt.

       Im Kontext des Zivilrechtes wird unberechtigter Einfluss vorausgesetzt wenn jemand in der Position der Autorität oder Dominanz über eine ältere Person dieser eine Feststellung entlockt, wie etwa ein Testament oder eine Bevollmächtigung. In diesem Fall ist Erzbischof Bertone klarerweise eine dominierende Partei mit der Autorität eines kirchlichen Titels, während Schwester Lucia nicht nur eine ältere Person ist, sondern noch dazu durch ihre Gelübde des heiligen Gehorsams gegenüber ihren Vorgesetzten, von denen sie während dieser zweistündigen Sitzung umgeben war.

       Weiterhin hatte Mons. Bertone die klare Absicht, dieses Interview für die Verteidigung seiner eigenen Glaubwürdigkeit gegen die anwachsende öffentliche Skepsis gegenüber der Parteilinie zu verteidigen. Nach den jüngsten Ereignissen erlitt Erzbischof Bertone einen massiven Prestigeverlust wegen seines unmöglichen Äusserung in BF, dass die Entscheidung, das dritte Geheimnis zu veröffentlichen “einen Zeitabschnitt, der davon gezeichnet ist, dass sich menschliches Wollen auf tragische Weise mit Gewalt und Bosheit verbinden kann” abschliesst. Mons. Bertone, der auch nur ein Mensch ist, hätte jedes Motiv, Schwester Lucia dazu zu bringen, seine lächerliche Behauptung einer Welt im Frieden nach der “Erfüllung” des dritten Geheimnisses 1981 mit dem Papstattentat zu bestätigen (Sogar der weltliche Radiokommentator Paul Harvey, sprach offen seine Verachtung für die Ratzinger-Bertone Interpretation des dritten Geheimnisses aus).

       Unter diesen Umständen war die Führung des Interviews und der nachträgliche Bericht durch Mons. Bertone gleich einem Staatsanwalt, der einen Kronzeugen verhört und dann über das Ergebnis in seiner Abwesenheit berichtet. Objektiv gesprochen, war Mons. Bertone die letzte Person, die das Interview führen hätte sollen. Die Kirche und die Welt haben ein Recht, die Zeugin zu hören, statt von einem voreingenommenen Interviewer, der noch dazu ein Problem aus der Welt zu schaffen hat, einen Bericht zu hören.

       Verdächtiger Umstand no. 3: Das Kommuniqué von Bertone ist sehr kurz und braucht eine blosse Viertelseite im Osservatore Romano, behauptet aber, dass das Gespräch “mehr als zwei Stunden dauerte.”

       Was besprachen Schwester Lucia und Bertone in zwei Stunden, wenn man das Kommuniqué in zwei Minuten lesen kann. Zum Vergleich würde eine einstündige Rede in normaler Sprechgeschwindigkeit ungefähr 14 Seiten Niederschrift ergeben, eine zweistündige ca. 28 Seiten oder ca. 14000 Wörter. Aber das Kommuniqué eines angeblichen Zweistundengespräches gibt nur 463 Wörter315 aus dem Mund von Schwester Lucia selbst wieder:

  • 165 Wörter in einem wörtlichen Zitat aus BF, dass die Phrase “Mein Unbeflecktes Herz wird triumphieren” (wo Ratzinger die Worte “Am Ende” gestrichen hatte) sich nicht auf zukünftige Ereignisse, sondern auf das fiat in der Bereitschaft, vor 2000 Jahren die Gottesmutter zu werden bezieht.

       Entweder hatte sie 80 Jahre recht oder jetzt...

  • 100 Wörter über die Bedeutung des Herzens, das Schwester Lucia in der linken Hand der Jungfrau während der Erscheinungen sah.

       Das Kommuniqué informiert uns, dass dies ein “unveröffentlichtes Detail” ist, das Schwester Lucia zur Botschaft von Fatima hinzuzufügen hatte. Das ist sehr interessant, aber was hat es mit dem Gegenstand des Gespräches zu tun, für das Bertone nach Portugal reiste?

       Man beachte auch, dass das Kommuniqué dieses neue Detail in Schrägschrift ankündigt. Plötzlich ist Schwester Lucia wieder die verlässliche Seherin im Gegensatz zu Ratzingers beeinflussbarem Kind, dass die Dinge erfindet, so wie sie sie in frommen Büchern gelesen hat. Natürlich ist dieses Detail eine kalkulierte Ablenkung.

  • 69 Wörter, mit denen Schwester Lucia Presseberichte, dass sie “über jüngste Ereignisse sehr besorgt ist” und “nicht mehr länger schlafen kann und Tag und Nacht betet” verneint.

       Das ist schon wieder Nebensache. Aber Bertones Lucia gibt die ironische Antwort: “Wie könnte ich untertags beten, wenn ich in der Nacht nicht ruhe?” Offensichtlich hat niemand behauptet, dass sie nie schläft. Wieder eine Ablenkung.

       Angeblich hat Schwester Lucia hinzugefügt: “Wieviele Dinge die in meinen Mund legen! Wieviele Dinge sie mich machen lassen.” Ja, nur wer tut das? Die objektiven Zeugen, die offen mit Schwester Lucia sprachen oder die Autoritätsfiguren, die sie in einem geheimen Zweistundenverhör umgaben?

       Sehr vielsagend ist, dass sie nie über ihren dringenden Brief an den Papst gefragt wird (wir nennen das die erste auffallende Unterlassung) oder über ihr persönliches Treffen mit Don Bianchi (die zweite auffallende Unterlassung).

  • 39 Wörter über den Effekt, den die Erscheinungen von Fatima auf das persönliche Leben Schwester Lucias hatten.

       Was hat das mit dem genannte Zweck des Interviews zu tun? Schwester Lucia hat diesen Punkt ausführlich in ihren Memoiren behandelt. Dafür reiste Bertone nach Portugal?

  • 34 Wörter mit denen Schwester Lucia neue Offenbarung empfangen zu haben leugnet.

       Merkwürdigerweise erklärt sie in dem selben Kommuniqué - gegen alle vorherigen Aussagen - dass die Weihe der Welt 1984 im Himmel akzeptiert wurde. Woher weiss sie das in der Abwesenheit neuer Offenbarungen?

  • 12 Wörter, mit denen Schwester Lucia sagt, dass der Karmel die Bittformulare, die P. Gruners Apostolat für die Weihe Russlands in Umlauf gebracht hat zurückgewiesen hat.

       Na und? Was ist aber mit der Weihe Russlands?

  • 9 Wörter über das dritte Geheimnis: “Alles ist veröffentlicht worden; es gibt keine weiteren Geheimnisse.”

       Die Frage, die die Antwort provozierte, wird nicht zitiert. Stattdessen erklärt das Kommuniqué: “Für diejenigen, die sich einbilden, dass ein Teil des Geheimnisses verheimlicht wurde, antwortete sie:...”

       Was genau wurde sie über die Veröffentlichung des dritten Geheimnisses gefragt? Und warum wurde ihr nicht die Frage gestellt, die Millionen sich fragen: Was ist mit den Worten, die auf “In Portugal wird das Dogma des Glaubens erhalten bleiben etc.” folgen? (dritte auffallende Unterlassung). Wir erfahren nicht einmal den Wortlaut der Frage, die die Antwort provoziert hätte (vierte auffallende Unterlassung).

  • 14 Wörter über BF: “Das ist unwahr. Ich bestätige die Auslegung, die im Heiligen Jahr gemacht wurde völlig.”

       Hier verneint Schwester Lucia angeblich Presseberichte, dass sie Don Bianchi und P. Jose Santos Valinho gegenüber über BF Zweifel äusserte. Aber Bertone fragte sie nie über ihren Brief an den Papst, noch verneint sie, sich mit Don Bianchi getroffen zu haben.

       Man erwartet also von uns, dass wir glauben, dass Schwester Lucia einverstanden ist, dass das dritte Geheimnis am 13. Mai 1981 erfüllt wurde, obwohl sie in ihrem Brief an den Papst vom 12. Mai 1982 sagt, dass “wir noch nicht die gänzliche Erfüllung des letzten Teiles dieser Prophezeiung gesehen haben.”

  • 21 Wörter über die Bekehrung Russlands: “Ich habe bereits gesagt, dass die Weihe, die die Muttergottes verlangt hatte, 1984 gemacht wurde und das im Himmel angenommen wurde.”

       Diese Antwort kam angeblich auf die Frage: “Was sagen Sie zu den ständigen Behauptungen P. Gruners, der Unterschriften sammelt, damit der Papst endlich Russland dem Unbefleckten Herzen weiht, dass das nie getan wurde?”

       Dass der Sekretär der Glaubenskongregation nach Coimbra reisen würde, um Kommentar zu erhalten über P. Gruner, die man in der ganzen Kirche veröffentlichen kann, ist eine dramatische Demonstration der Tatsache, dass die römische Kurie in P. Gruners Apostolat den ersten Sitz des Widerstandes gegen die Parteilinie sieht.

       Was meint “Schwester Lucia” mit ihrer seltsamen Bestätigung, dass eine Weihe der Welt im Himmel als Weihe Russlands “akzeptiert” wurde? Behauptet “Schwester Lucia” wirklich, dass der Himmel einen vatikanischen Diplomatenkompromiss “akzeptiert” hätte? Sein wann akzeptiert der Himmel einen menschlichen Ersatz für einen genauen Akt, den Gott befohlen hatte? Ausserdem, woher wusste Schwester Lucia, dass der “Himmel” die Weihe “akzeptiert” hatte, wenn sie doch, wie Bertone behauptet, keine neuen Offenbarungen mehr hatte?

       Wie dem auch sei, Schwester Lucia wird nicht über ihre vielen gegenteiligen Behauptungen befragt und wird auch nicht gebeten, ihre Meinungsänderung zu erklären (fünfte auffallende Unterlassung). Offensichtlich sollen wir glauben, dass nichts, was Schwester Lucia je vorher sagte, irgend eine Bedeutung hat und nur wenn sie heimlich mit Mons. Bertone spricht, sagt sie über diese Angelegenheit die Wahrheit.

       Es ist auch vielsagend, dass Bertone uns nicht mitteilt, wann, wo oder zu wem Schwester Lucia bereits gesagt hat, dass die Weihe von 1984, die sie einmal für unakzeptabel hielt, jetzt angenommen wurde. Warum solche Ungenauigkeit, wenn Bertone doch die Möglichkeit hatte, dieses Problem durch genaue Antworten gelöst zu bekommen? Warum bat er sie nicht, die verschiedenen computergeschriebenen Briefe, die um 1989 mysteriöserweise über ihrer Unterschrift auftauchten und die die Weihe von 1984 anerkennen als echt anzuerkennen?

       Und das ist äusserst verdächtig: BF verlässt sich völlig auf einen dieser zweifelhaften Briefe mit dem Datum von 8. November 1989 als Beweis für die bereits vollzogene Weihe. Die Glaubwürdigkeit dieses Briefes wurde jedoch durch die falsche Behauptung, dass Papst Paul VI. 1967 die Weihe vollzogen hätte vernichtet. Warum bemühte sich Bertone nicht, diesen heiss diskutierten Brief für echt erklären zu lassen?

       Äusserst vielsagend ist in diesem Zusammenhang, dass P. Gruners Apostolat den Beweis veröffentlicht hatte, dass dieser Brief eine offensichtliche Fälschung ist. Der Beweis wurde in no. 64 des Fatima Crusader veröffentlicht, von dem ca. 450.000 Exemplare zum Zeitpunkt des Interviews zirkulierten.

       Nun wusste Bertone aber sicherlich, dass The Fatima Crusader den Schwindel mit dem Brief von 1989 aufgedeckt hatte, versäumte es aber, Schwester Lucia den Brief bestätigen zu lassen und damit P. Gruners Mission einen entsprechenden Dämpfer aufzusetzen. Dieser Fehler konnte aber keine Vergesslichkeit sein, denn der Versuch, die von P. Gruner eingenommene Haltung zu widerlegen, war ja der erste Zweck des Interviews mit Schwester Lucia.

       Warum würde Mons Bertone sich die Gelegenheit entgehen lassen, Schwester Lucia als “Kronzeugin” zu benutzen, um P. Gruners Behauptung, dass der Brief von 1989 gefälscht war zu widerlegen? Offensichtlich weil er wusste, dass der Brief tatsächlich eine Fälschung war und so würde er nicht wagen, Schwester Lucia während des Interviews um eine Bestätigung zu bitten (sechste auffallende Unterlassung).

       Verdächtiger Umstand no .4: Keine Tonbandaufnahme oder Niederschrift des Interviews wurde zugänglich gemacht. Wo sind die Fragen und Antworten, die man immer in veröffentlichten Interviews sieht.

       Warum brauchte Mons. Bertone mehr als zwei Stunden, um von Schwester Lucia 44 Wörter über die wichtigste Angelegenheit zu erfahren? Unter der Annahme, dass Schwester Lucia eine volle Minute für die 44 Wörter brauchte, was taten oder sagten Mons. Bertone, Don Kondor und die Mutter Oberin während der verbleibenden 119 Minuten? Wurde Schwester Lucia an ihren “Gehorsam” erinnert? Wurde ihr gesagt, dass die ganze Kirche sich auf sie verliess, die richtigen Antworten zu geben, die die “trennende” Kontroverse beenden würden? Wurde ihr gesagt, dass ihre Loyalität gegenüber dem Heiligen Vater verlangte, dass sie die Parteilinie annahm, obwohl ihr erwähnter Brief von 1982 ihr widerspricht? Wurde ihr gesagt, dass es wichtig wäre, jedermann zu versichern, dass Russland geweiht wäre, trotz all dem was sie ein Leben lang Gegenteiliges gesagt hatte? Wurde ihr der Eindruck vermittelt, etwas anderes zu sagen, hiesse dem Heiligen Vater widersprechen?

       Oder gab Schwester Lucia vielleicht eine Menge Antworten, die für ihrer Verhörer sehr unangenehm waren, nur damit sie wieder und wieder gefragt würde, bis die Antwort “richtig” war? Was für subtilen oder weniger subtilen Unannehmlichkeiten war sie während dieser zwei Stunden ausgesetzt?

       Sicherlich, wenn es nichts zu verstecken gäbe, dass hatte Mons. Bertone dafür gesorgt, dass so ein wichtiges Interview aufgenommen wurde. Wir könnten jedoch wetten, dass es keine Aufzeichnung gibt. Denn es scheint, man hat eine schreckliche Angst davor, die Zeugin frei sprechen zu lassen, mit ihren eigenen Worten. Jedes einzelne der 44 Wörter von “Schwester Lucia” ist sorgfältig abgemessen, wie aus einer Pipette.

       Zweifellos war das Risiko, solch eine Aufnahmen anzulegen zu gross. Was wäre, wenn Schwester Lucia ständig die “falschen” Antworten gegeben hätte?

       Wir wären glücklich, würde man uns nachweisen, dass wir unrecht haben. Vielleicht gibt es sogar ein Tonband, aber es wäre äusserst vielsagend, würde der Vatikan es nie herausgeben.

       Verdächtiger Umstand no. 5: Das italienische Kommuniqué behauptet, von Mons. Bertone und Schwester Lucia unterschrieben worden zu sein, aber die englische Version lässt ihre “Unterschrift” fallen.

       Warum sollte Schwester Lucia auch Bertones Kommuniqué in italienisch unterschreiben, wenn sie ihm angeblich das alles auf portugiesisch sagte? Warum unterschreibt Schwester Lucia nicht ihre eigenen Feststellungen in ihrer eigenen Sprache? Wenn Schwester Lucia mit Mons. Bertone wirklich zwei Stunden lang sprach, warum dann nicht eine genaue Wiedergabe des Interviews unterschreiben?

       Warum wurde Schwester Lucias Unterschrift von der englischen Übersetzung des Interviews entfernt? Was für ein Dokument erhielt ihre Unterschrift - das italienische Kommuniqué oder ein portugiesisches Original, das uns vorenthalten wurde? Von was für einem Wert ist eine Unterschrift Schwester Lucias auf einem Dokument in einer Sprache, die sie nicht spricht?

       Die unausweichliche Schlussfolgerung ist die: Die römische Kurie hat keine Absicht, Schwester Lucia jemals zu erlauben, über die Fragen, die bezüglich Fatima offen bleiben, ihre eigene Meinung in alle Länge darzutun.

       Verdächtiger Umstand no. 6: Das vor kurzem veröffentlichte Buch von Schwester Lucia über Fatima vermeidet völlig die, in dem Interview mit Bertone angeblich diskutierten Gegenstände.

       Im Oktober 2001 veröffentlichte die Libreria Editrice Vaticana ein Buch von Schwester Lucia mit dem Titel Die Anliegen der Botschaft von Fatima. Schwester Lucias Einführung in das Buch, die von der Glaubenskongregation durchgesehen und approbiert wurde, sagt, das es “eine Antwort und Aufklärung von Zweifeln und Fragen auf globale Weise” sein soll, “ohne die Möglichkeiten, jeder Person individuell zu antworten.”

       Trotz dieses genannten Zweckes unterlässt es das Buch völlig auf seinen 303 Seiten irgendwelche der dominierenden “Zweifel und Fragen” über die Botschaft von Fatima zu beantworten. Die Irrtümer Russlands, die Weihe und Bekehrung Russlands, die versprochene Periode des Friedens, die die Jungfrau dafür versprochen hat und das dritte Geheimnis werden in dem Buch nicht einmal erwähnt, geschweige denn diskutiert. Nicht einmal die Höllenvision wird in Schwester Lucias Besprechung des ewigen Lebens und der Suche nach Vergebung erwähnt. Das Buch stellt eine gründlich zensurierte Version der Fatimabotschaft dar, all ihrer prophetischen Elemente beraubt. Die in diesem Buch präsentierte Botschaft brauchte kein Sonnenwunder als Bestätigung.

       Das ist ja wirklich kurios: Wenn Schwester Lucia erlaubt wird, ein 303 Seiten langes Buch zu schreiben, dann sagt sie nichts über die Zweifel und Fragen, die Millionen wirklich haben. Nur wenn sie heimlich von einem selbst-interessierten Verhörer befragt wird, dann wird ihr erlaubt, an diese Fragen näher heranzutreten. Aber sogar dann sind ihre Antworten bruchstückhaft und kommen nicht unmittelbar von ihr in ihrer eigenen Sprache, sondern werden von Mons. Bertone zusammengefasst, der uns mit 44 relevanten Wörtern aus diesem zweistündigen Gespräch mit dieser gefangenen Zeugin bedenkt.

       Erzbischof Bertone und Kardinal Ratzinger sind Männer mit hohen Ämtern in der Kirche. Mit allem Respekt für das Amt jedoch, kann man nicht über diese verdächtigen Umstände und auffallenden Unterlassungen hinweggehen. Kein Gericht auf der Welt würde eine Aussage von einem Zeugen mit so viel Unzuverlässigkeit annehmen. Sicherlich können wir in der Kirche wenigstens das Mass an Offenheit, dass eine Richter verlangen würde erwarten. Lasst uns die Zeugin hören, um Himmels Willen!

       Wir müssen ganz offen die Schlussfolgerung nennen, die sich für einen neutralen Beobachter aus der merkwürdigen Behandlung von Schwester Lucia ergibt: es gibt allen Grund zur Annahme, das es sich hier um Betrug handelt; dass die “Kronzeugin” manipuliert wird. Auch das ist Teil des hier behandelten Verbrechens.

Notes:

314 Im Gegenteil, wie P. Alonso dokumentiert, bestätigte Schwester Lucia: “Alles was mit den Erscheinungen der Dame zusammenhing, war nicht länger eine einfache Erinnerung, sondern eine ihrer Seele wie durch Feuer eingebrannte Präsenz. Sie selbt sagt, dass diese Dinge ihrer Seele auf eine Art und Weise eingeprägt sind, dass sie sie nicht vergessen kann. Diese Erinnerungen von Schwester Lucia sind daher wie erneut lesbare Inschriften, die in der tiefsten Seele der Autorin eingraviert sind. Sie scheint mehr zu ‘sehen,’ als sich zu ‘erinnern.’ Die Leichtigkeit ihrer ‘Erinnerung’ ist so gross, dass sie nur aus ihrer Seele zu ‘lesen’ scheint.” Schwester Lucia, Fatima in Lucia's Own Words, “Fourth Memoir” (Postulation Center, Fatima, Portugal, 1976), P. Joaquin Alonso im Vorwort, p.13.

315 Anm. d. Autors: In der englischen Version.

         

          

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