Haus SeiteDie Letzke Schlacht Des Teufels - RückblickDie Letzke Schlacht Des Teufels - Vorwort des HerausgebersBroschüreAnordnung Nun bei post Oder Kreditkarte

10. KAPITEL

Kardinal Ratzingers
Botschaft von Fatima

       Der Leser möge mit uns Geduld haben, wenn er in dieser detaillierteren Exegese der BF mit gelegentlich polemischen Kommentaren konfrontiert wird, aber wir müssen uns nicht dafür entschuldigen, manchmal polemisch zu sein, den Polemik ist eine gute Sache wenn nötig. Die heutige Gesellschaft ersetzt immer mehr den katholischen Glauben mit dem Glauben an die sogenannten “exakten Wissenschaften.” Die Leute verachten daher heute die Wissenschaft und die Kunst der Polemik, deren Aufgabe es auch ist, den Glauben und die Kirche gegen die Feinde Christi, Der die Wahrheit ist, zu verteidigen. “Ho polemós” ist das alte griechische Wort für Krieg. Es ist nicht falsch, in der Verteidigung Christi und des katholischen Glaubens Krieg zu führen. Aber die Leute, die keinen Glauben haben oder deren Glaube geschwächt ist, werden das nicht verstehen, denn sie glauben zusehr an die sogenannten “exakten Wissenschaften.”

1. Die Einführung

       Bereits der zweite Absatz der Einführung der BF enthält ein Stück vatikanischer Politik, das sowohl die jüngste Geschichte, als auch die Moraltheologie vergessen zu haben scheint:

       Nach den aufregenden und grausamen Ereignissen des zwanzigsten Jahrhunderts, das zu den kritischsten der Menschheitsgeschichte zählt und im blutigen Attentat gegen den “milden Christus auf Erden” gipfelte....

       Dass sogar der Versuch, den obersten Pontifex zu ermorden, ein schauerliches Verbrechen ist, wird kein vernünftiger Mensch bezweifeln. Tatsächlich steht darauf die reservierte Exkommunikation, selbst in dem eher liberalen Codex des Kirchenrechtes von 1983. Dennoch zeigt diese Behauptung einen tragischen Mangel der Proportion. Dass die “aufregenden und grausamen” Ereignisse im Attentat auf den Papst “gipfelten,” steht in keinem Fall in einem Verhältnis und ist zudem noch eine schwerste Respektlosigkeit gegenüber den sechzig Millionen Opfern Stalins, allen Opfern sämtlicher Kriege des vorigen Jahrhunderts und den 55 Millionen jährlichen Opfern der Abtreibung! Dieser Mangel an Proportion ist noch unendlich viel schlechter in seiner Respektlosigkeit gegenüber dem übernatürlichen Blickpunkt, wie etwa dem wirklichen “süssen Jesus auf Erden” im Tabernakel, dessen Realpräsenz in die Hände verteilt wird und auf den Petersplatz261 fallen gelassen wird, wie es auch in tausenden anderen Plätzen geschieht.

       In dieser Äusserung steckt ein Zweck und das ist das Herunterspielen der Wichtigkeit des dritten Geheimnisses in Kardinal Ratzingers Kommentar.

       Es ist auch noch theologisch wichtig, dass man dann das Geheimnis und die Muttergottes unter Anführungszeichen gestellt hat. Wenn eine “Erscheinung” sagt, dass alle Religionen Gott wohlgefällig sind, was Häresie und Gotteslästerung wäre,262 dann müssten wir das Wort “Muttergottes” unter Anführungszeichen setzen, nachdem wir wissen, dass die "Erscheinung" jemand anderer ist, höchstwahrscheinlich ein Dämon. Aber die Muttergottes unter Anführungszeichen zu setzen im Zusammenhang mit einer, von mehreren Päpsten approbierten und durch ein eindeutiges Wunder vor 70.000 Zeugen bestätigten Erscheinung, verkündet eine Botschaft: nämlich, dass es vielleicht doch nicht die Muttergottes war. Als ein Stein in diesem Puzzle aus Wahrheiten, Halbwahrheiten und Lügen, ist das von grosser Bedeutung.

       Die folgenden Seiten der Einführung von BF wiederholen die Lüge, dass die Weihe schon vollzogen ist, besonders die Seite, die einen unsignierten Brief von “Schwester Lucia" zitiert, der erwiesenermassen eine Fälschung ist, wie auch P. Paul Kramer aufzeigt.263

       Schliesslich stehen wir vor der unglaublichen Behauptung Erzbischof Bertones am Ende der Einführung zu BF:

       Die Entscheidung des Heiligen Vaters Papst Johannes Paul II., den dritten Teil des “Geheimnisses” von Fatima zu veröffentlichen, beschliesst einen Zeitabschnitt, der davon gezeichnet ist, dass sich menschliches Wollen auf tragische Weise mit Gewalt und Bosheit verbinden kann. Gleichzeitig ist diese Zeit aber durchdrungen von der barmherzigen Liebe Gottes und von der Sorge, mit der die Mutter Jesu und die Mutter der Kirche wacht.

       Historisch gesehen, ist das ein idiotischer Ausspruch, der an Irrsinn grenzt.

       Erzbischof Bertone ist weder ein Idiot noch ein Irrer. Dieser Ausspruch muss daher theologischer Natur sein. P. Gruner meinte richtigerweise, man muss hier vermuten, dass wir gemäss Mons. Bertone eigentlich glauben sollten, dass “der sogenannte ‘Fall des Kommunismus’ bedeutet, dass Fatima für die Welt weiterhin keine Bedeutung hat und die Bekehrung Russlands nicht weiter erwähnt werden sollte.”264 Das ist nicht nur eine politische Interpretation, die die Fortführung von Casarolis Ostpolitik betrifft und die seltsam enge Beziehung des Papstes mit dem Prediger des Völkermordes, Gorbatschow, sondern es ist eine klare Analyse der veränderten Theologie, die im Zentrum der Neuorientierung der Kirche steht, eine Theologie, die man Ökumenismus nennt.

2. Das “Geheimnis”

       Was nun die Authentizität des veröffentlichten Textes angeht, so drängen sich doch bestimmte Fragen auf: Warum sagt Schwester Lucia - die 1944 sicherlich bereits die Heilige Schrift und viele “frommen Bücher,” wie Ratzinger das nennt - dass der Heilige Vater “für die Kadaver” auf seinem Weg betete (cadaveres auf portugiesisch)? In der Heilsgeschichte spricht man von den “Seelen der Toten oder Beerdigten,” wie man es im Credo finden kann (...die Auferstheung der Toten...). Nur im Alten Testament findet man den Begriff “Kadaver” und das im Kontext der Apostaten oder verlorenen Seelen.

       Im Kontext der ersten beiden Teile des Geheimnisses ist es ebenso merkwürdig, dass die Seherin von einem “in Weiss gekleideten Bischof,” sprechen würde, wo doch die Ereignisse von 1938/39 mit klaren Ausdrücken vorhergesagt wurden, mit dem Ausdruck “Papst” und sogar seinem Namen: Pius XI. Ein in Weiss gekleideter Bischof könnte auch der Abt von Brixen in Südtirol sein, oder ein Bischof in den Tropen oder ein Hochstapler in Rom, der so tut, als ober Papst wäre, wie die Sedisvakantisten behaupten. Wir werden und wollen hier keine Antwort anbieten, aber diese Phrase ist merkwürdig vage im Kontext der Ereignisse seit 1917.

       Darüber wird noch einiges gesagt werden, im Moment tun wir so, als ob der Text echt wäre.

3. Der Brief des Papstes an Schwester Lucia

       In diesem, in BF zitierten Brief vom 19. April 2000 sagt der Papst:

       Da jedoch an diesem Tag [der Seligsprechung von Francisco und Jacinta] keine Zeit sein wird zu einem Gespräch, sondern nur für einen kurzen Gruss, habe ich eigens Seine Exzellenz Mons. Tarcisio Bertone, Sekretär der Kongregation für die Glaubenslehre beauftragt, Sie aufzusuchen und mit Ihnen zu sprechen.... Mons. Bertone... kommt in meinem Namen, um einige Fragen zu stellen zur Deutung des “dritten Teils des Geheimnisses.”

       Wir schliessen daraus, dass Seine Heiligkeit keine Zeit für ein Gespräch mit Schwester Lucia hat. Der stets wachsame Verteidiger Papst Johannes Paulus II. mag Einspruch erheben gegen diesen Schluss, indem er uns daran erinnert, dass es nicht in unserer Macht steht, dem Papst Ratschläge über seinen Stundenplan zu erteilen und auch nicht, seine Entscheidungen in Fragen der Disziplin und Kirchenleitung zu hinterfragen, in rebus... quae ad disciplinam et regimen Ecclesiae... pertinent (DS 3060).

       Das ist sicherlich wahr. Aber wir dürfen eine offensichtliche Frage stellen: Warum hatte der Papst Zeit für die Freimaurer der Trilateral Commission,265 den oben genannten Michael Gorbatschow, die jüdischen Hochgradfreimaurer der B'nai B'rith,266 eine Predigt von der Kanzel der lutheranischen Kirche in Rom,267 einen Besuch in der römischen Synagoge,268 ein Treffen mit dem buddhistischen “Patriarchen” Vasana Tara,269 dem Dalai Lama270 und Yassir Arafat,271 wo er auch noch dem schismatischen und häretischen Patriarchen Dimitrios I von Konstantinopel erlaubte, neben ihm auf der Loggia des Petersdoms (!) zu stehen,272 aber er hatte keine Zeit, mit der persönlichen Botschafterin der Gottesmutter zu sprechen, der wahrscheinlich wichtigsten im 20. Jahrhundert?

       Wir kennen die Antwort nicht und wagen nicht sie zu geben, aber die theologische Beziehung zur Herabsetzung des dritten Geheimnisses durch den Vatikan ist offensichtlich.

4. Das Gespräch mit Schwester Lucia.

       Dieser nicht unterschriebene Bericht eines angeblichen Gesprächs vom April 2000 zwischen Erzbischof Bertone und Schwester Lucia ist ein beachtliches Beispiel für Desinformation, verfasst wahrscheinlich von Erzbischof Bertone selbst. Er versäumte es nicht nur, Schwester Lucia zu fragen, ob die Weihe Russlands vollzogen worden wäre, sondern verbindet auch noch zwei logisch voneinander getrennte Bemerkungen, nämlich die Feststellung Schwester Lucias, dass die Figur in Weiss der Papst gewesen wäre, obwohl sie den Namen nicht kennen würde (!) und ihre Übereinstimmung mit dem Anspruch des Papstes, dass es am 13. Mai 1981 “eine mütterliche Hand, die die Flugbahn der Kugel leitete,” war.

       Es gab da einige merkwürdige Zufälle - oder war es die Vorsehung? - in Ali Agcas Attentat, um eine nichttheologische Abweichung zu wagen:

  • Warum blockierte die Pistole nach dem dritten Schuss? Es ist für eine halbautomatische Pistole nicht ungewöhnlich, sich zu sperren, aber es ist praktisch unmöglich, dass die beste Polizeitruppe Italiens, die Carabinieri, nach Wochen der mikroskopischen Untersuchungen in ihren Laboratorien die Ursache nicht finden würden. Hat da der Schutzengel eingegriffen? Theologisch wäre das sehr wahrscheinlich.

  • Warum verwendete Ali Agca nicht Hohlspitzmunition oder die damals leicht erhältliche Federal Hydra-Shok, die den Papst auf jeden Fall getötet hätten? Die meisten Quellen behaupten, dass ihrend welche Organisationen oder Geheimdienste hinter dem Attentat steckten, waren das alles Amateure?
  • Warum wählte er den Petersplatz und eine kleine Handwaffe ohne jede Chance auf Flucht, statt einem - damals noch leicht erhältlichen - Gewehr und eine der vielen erhobenen Positionen rund um den Petersplatz mit einer Chance zur Flucht? War er nur ein dummer Fanatiker?

       Wahrscheinlich werden wir in unserer Lebenszeit keine Antwort auf diese Fragen erhalten, aber wir wissen, dass dieses Attentat mit dem dritten Geheimnis nichts zu tun hat, denn der Papst wurde nicht getötet. Das Ereignis war tragisch, aber es kostete den Papst nur ein Jahr seiner vollen Aktivitäten. Es ist eine Beleidigung der göttlichen Vorsehung und der Muttergottes zu behaupten, dass dieses relativ unwichtige Ereignis das Zentrum einer Prophezeiung über die Hölle, zwei Weltkriege, den Kommunismus und die noch ausstehende Bestrafung wäre.

       Schliesslich müssen wir noch fragen: Warum würde man den Vorfall von 1981 nach 1960 besser verstehen, wie Schwester Lucia über das dritte Geheimnis sagte? Jedermann im 20. Jahrhundert hätte es so verstanden wie wir. Hätte die Generation, die im Zweiten Weltkrieg und Korea kämpfte, die Rolle der Soldaten in dieser Vision erst nach 1960 besser verstanden? Schwester Lucias Drängen auf eine Veröffentlichung des dritten Geheimnisses 1960 und das “die Muttergottes es so wollte,” kann nur bedeuten, dass sie wusste, dass um 1960 etwas geschehen würde, wonach das Geheimnis klarer eine Prophezeiung der Zukunft sein würde. Das Geheimnis hat offentsichtlich keinen Zusammenhang mit der Ermordung Präsident Kennedys, wie steht es aber mit der 1963 veröffentlichten Enzyklika Pacem in Terris von Johannes XXIII. oder dem Konzilsbeginn 1962 oder seiner Ankündigung am 25. Jänner 1959?

5. Kardinal Sodanos Mitteilung.

       Die Täuschung findet ihre Fortsetzung in der Feststellung des Staatssekretärs, dass der Text des dritten Geheimnisses mit einem “symbolischen Schlüssel” interpretiert werden muss. Der Zweck dieses Ansinnens wird klar sobald Kardinal Sodano die eigentliche Vision verdreht, indem er sagt: der Papst “fällt, von Schüssen getroffen, wie tot zu Boden.” Das ist das Gegenteil zu dem eigentlichen Wort: “getötet.”

       Danach wird die Botschaft in die Vergangenheit geschoben, indem man auf das Ereignis von 1981 hinweist oder durch die lächerliche Erklärung, dass 1989 das Ende des Kommunismus und der Verbreitung des Atheismus gewesen wäre. Es ist traurig zu sehen, dass der Staatssekretär nicht davor zurückschreckt, diese Lüge zur Diskreditierung einer Botschaft der Muttergottes zu gebrauchen.

6. Kardinal Ratzingers Kommentar.

a. eine einführende Verharmlosung.

       Schon die zweite Zeile dieses Kommentars enthält die Behauptung, dass das dritte Geheimnis nun “wortwörtlich” veröffentlicht wurde. Diese Lüge wird später wiederholt.

       Die nächste Behauptung ist - gelinde gesagt - zynisch:

       Keine grossen Geheimnisse werden enthüllt; der Vorhang vor der Zukunft wird nicht aufgerissen. Wir sehen im Zeitraffer die Kirche der Märtyrer des nun abgelaufenen Jahrhunderts in einer schwer deutbaren Symbolsprache zusammengefasst.

       Wenn keine grossen Geheimnisse enthüllt werden, wieso machte die Muttergottes dann eines daraus? Möglicherweise - wie wir sehen werden - wird die Zukunft in dem anderen Teil des dritten Geheimnisses, der uns vorenthalten wurde geoffenbart. Jedenfalls ist die Behauptung, dass die Schau der Soldaten, die den Papst erschiessen, nur ein Symbol der Vergangenheit wäre absurd, vor allem im Kontext der sonst so klaren Botschaften im Rest der Fatimatexte.

       Im Vergleich mit den meisten Prophezeiungen - man denke nur an die Schwierigkeiten, die Apokalypse zu interpretieren - sind die Geheimnisse von Fatima ungewöhnlich klar und deutlich; warum wäre das dritte Geheimnis “schwer deutbar”? Warum sollte das zwanzigste Jahrhundert Neunzehn hundertneunundneunzig enden?

       Im Jahr 1900 dekretierte Kaiser Wilhelm II. dieses Jahr zum Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, was mathematisch absurd ist. Es mag scheinen, dass Kardinal Ratzingers Mathematik - so wie seine Theologie - von der Autorität abhängt, statt von der Wahrheit. Das ist keine “billige Polemik” im Lichte des eher bemerkenswerten Meinungsumschwunges zwischen 1984 und 2000. 1984, in der Diskussion des Inhaltes des dritten Geheimnisses, sprach Ratzinger über die “Endzeit” und “religiöse Prophezeiung” und sagte:

       ...aber die, in diesem dritten Geheimnis enthaltenen Dinge entsprechen dem, was in der heiligen Schrift angekündigt wird und werden durch viele andere Marienerscheinungen in ihrem bekannten Inhalt bestätigt.

       Diese Aussage ist der von 2000 entgegengestellt. Wie P. Paul Kramer aufzeigt, sind die wichtigsten anderen Marienerscheinungen und ihre Botschaften durchwegs erschreckend und sagen in einem Teil ihrer Prophezeiungen noch künftige Ereignisse voraus.273

       Wir finden uns wiedereinmal mit dem Grundtenor der ganzen Publikation konfrontiert, der zutiefst unehrlich ist in seinem Versuch, das dritte Geheimnis zur einer unbedeutenden Voraussage des misslungenen Papstattentates herabzuwürdigen. Dürfen wir das misslungenen Attentat als “unbedeutende Voraussage” einstufen? Ja! Was wir schon sagten ist die Wahrheit: Das Attentat ist misslungen, aber selbst wenn es geglückt wäre und der Papst gestorben wäre, hätte das nichts mit dem dritten Geheimnis zu tun gehabt. Im römischen Dialekt sagt man: “Morto un Papa, se ne fa un'altro.” Mit dem Tod eines Papstes macht man einen anderen.

       Es gibt da noch einen Punkt: Warum hat niemand im Vatikan gemeint, dass das dritte Geheimnis mit dem unzeitigen Tod Johannes Paul I. in Verbindung gebracht werden könnte? War er eine völlig insignifikante Figur? Kein Papst ist das, aber Gott kannte nicht die Zukunft, Er kennt sie. Ein fehlgeschlagenes Attentat auf einen Papst ist in der Tat kein grosses Geheimnis, wie es Kardinal Ratzinger so schlau formuliert, aber der wirkliche - und durchaus mysteriöse - Tod eines Papstes wurde angenehmerweise vergessen.

       Die Prophezeiung und die Kommentare der Seher machen völlig klar, dass der heilige Vater “viel zu leiden haben wird.” Im Kontext zweier Weltkriege und - wie wir sehen werden - noch schlimmerem, grenzt es an Idolatrie, die Wichtigkeit eines Papstes so zu erhöhen, dass ein paar Monate im Spital das dritte Geheimnis werden. Was der Papst in der Gemelliklinik in Rom mitmachte, möchte man sich nicht einmal vorstellen. Aber mit der heutigen Medizin lässte sich das Leiden des Papstes überhaupt nicht vergleichen mit dem Leiden des Durchschnittspriesters im KZ der Nazis, ganz zu schweigen vom Schicksal von noch viel mehr Priestern und Bischöfen hinter dem Eisernen Vorhang.

       Am bezeichnendsten ist, wenn das dritte Geheimnis wirklich nur voraussagt, dass ein Papst ein Attentat überleben wird, warum sagte Ratzinger dann 1984, dass das Geheimnis nicht veröffentlicht wurde, um die “Verwechslung der religiösen Prophezeiung mit Sensationshascherei” zu vermeiden? Was wäre denn 1984 in einer Prophezeiung über ein misslungenes Papstanttentatdrei Jahre davor sensationell gewesen? Offensichtlich nichts. Alleine in diesem Punkt ist schon Ratzingers Widerspruch zu seiner eigenen Aussage für seine Glubwürdigkeit tödlich. Seine gegenwärtige Version des dritten Geheimnisses ist das, was die Rechtsanwälte als jüngst Erfindung bezeichnen.

       Was er 1984 als sensationell bezeichnete, konnte wohl kaum das Attentat von 1981 sein.

b. Über öffentliche und private Offenbarungen.

       Bezeichnenderweise setzt Ratzinger das ganze Phänomen von Fatima in den Kontext der “Privatoffenbarungen” - man sollte sie als “falsch” oder “ausserordentlich” bezeichnen, je nach Authentizität. Ratzinger stellt über die Privatoffenbarung fest:

Eine solche Botschaft kann eine wertvolle Hilfe sein, das Evangelium in der jeweils gegenwärtigen Stunde besser zu verstehen und zu leben; deswegen soll man sie nicht achtlos beiseite schieben. Sie ist eine Hilfe, die angeboten wird, aber von der man nicht Gebrauch machen muss.

       Mit anderen Worten ist niemand in der Kirche verpflichtet, der Botschaft von Fatima zu folgen, nicht der Papst, nicht die Bischöfe, nicht die Priester und nicht die Laien. Fatima ist also ein blosses Angebot, einschliesslich der Weihe Russlands und der fünf Sühnesamstage. Wenn wir das so wollen, können wir es völlig ignorieren - als ob das Sonnenwunder nie geschehen wäre, als ob die Forderungen der Jungfrau Maria von einem Geist gemacht worden wären! Fatima ist nur eine Hilfe, die wir in Anspruch nehmen können oder eben nicht.

       Einer der gebildetsten Päpste der Geschichte, Benedikt XIV., sagt ganz richtig, dass diesen Offenbarungen eine Zustimmung des Glaubens nicht geschuldet würde, aber dass sie “vielmehr eine Zustimmung des menschlichen Glaubens gemäss den Regeln der Klugheit, die sie uns als wahrscheinlich und glaubwürdig darstellen” fordern. Aber Ratzingers Zitat von Benedikt XIV. unterlässt schlauerweise darzustellen, was bei Fatima so aussergewöhnlich ist und was es aus der Kategorie der übrigen Privatoffenbarungen hebt: das unglaubliche Sonnenwunder, das Fatima als etwas mehr als “glaubwürdig” darstellt.

       Es scheint, dass sich Kardinal Ratzinger allen ausserordentlichen Offenbarungen der letzten zwei Jahrhunderte so nähert. So banalisiert er zum Beispiel die ausserordentlichen Offenbarungen über das Herz Jesu an die heilige Margarita Maria Alacoque zu einem Ereignis, das “sogar auf die Liturgie eine Auswirkung hatte.” Das grenzt an Blasphemie, wenn wir das Schicksal Frankreichs bedenken, nach der frechen und katastrophalen Weigerung Ludwig XIV. und seiner beiden Nachfolger, der Forderung Christi um die Weihe Frankreich an das Heiligste Herz Jesu, wie sie in dieser “Privatoffenbarung” Margarita Maria Alacoque zukam zu gehorchen.274

       Kardinal Ratzingers irrige Auffassung der Prophezeiung wird im folgenden Zitat ärgerniserregend klar:

       Dabei müssen wir bedenken, dass Prophetie im Sinn der Bibel nicht Wahrsagerei bedeutet, sondern Deutung von Gottes Willen für die Gegenwart, die auch den rechten Weg in die Zukunft zeigt. Der Wahrsager antwortet auf die Neugier des Verstandes, die den Schleier der Zukunft wegreissen will.

       Das ist gleichbedeutend mit einer Verneinung aller Prophetie, die man gemeiniglich die höchste alle frei gegebenen Gnaden, gratiae gratis datae, nennt. Die Prophetie schliesst oft die korrekte Interpretation der Vergangenheit und der Gegenwart ein, wird aber als solche als Vorhersage der Zukunft verstanden. Entweder antworten Isaias, David, Christus und Paulus “auf die Neugier des Verstandes” und die Kirchenväter und viele Kirchenlehrer wollten nur den “Schleier der Zukunft wegreissen” oder Kardinal Ratzinger hat erneut unrecht. Können wir Ihnen die Antwort überlassen?

       Ratzinger setzt die Prophetie auf die “Zeichen der Zeit” herab, vielleicht, weil er die wirklichen Zeichen der Zeit nicht sieht: leere Kirchen, Häresie, Apostasie, Blasphemie, sexuelle Perversion und Unreinheit, Neuheidentum und tatsächlich eine völlige Uneinigkeit unter vielen Bischöfen und Priestern über was immer auch in der Kirche. Das einzige, wo sich die führenden Mächte im Vatikan einig sind, ist ihr Hass gegen die traditionelle katholische Theologie.

       Kardinal Ratzinger muss natürlich so tun, als ob diese Zeichen der Zeit nicht zu tun hätten mit jenem Ereignis, bekannt als Zweites Vatikanum mit seinem Anspruch eines zweiten Kommens des Heiligen Geistes, was angesichts der bitteren Früchte dieses Konzils nicht stimmen kann.

       Auch wenn man uns der Polemik zeihen kann, so grenzt Ratzingers Auffassung im Lichte der Wichtigkeit, die der heilige Paulus und die Kirchenväter diesem göttlichen Geschenk zuschrieben an Häresie und Blasphemie, um es milde auszudrücken. Alles zwischen den Psalmen und dem heiligen Don Bosco oder Fatima einer Antwort auf die “Neugier des Verstandes” zurückzuschrauben, ist gleichbedeutend mit einer Erklärung, dass die Heilige Schrift, die Kirchenväter, die Tradition und fast alle ausserordentlichen Offenbarungen der Zukunft sich auf dem Niveau einer Art klerikaler Klatschpresse unterster Sorte, wie man sie bei der Kassa des Supermarktes findet, einzuordnen sind. Der Hinweis, dass die Vorhersagen der Zukunft in göttlichen Offenbarungen blosse Objekte der gelangweilten menschlichen Neugier sind, ist eine Beleidigung Gottes und der Heiligen; man darf das nicht auf die leichte Schulter nehmen.

c. Kardinal Ratzingers “Versuch einer Auslegung.”

       Die erste sich hier eröffnende Frage betrifft Ratzingers Überraschung. Er sagt, dass die Botschaft der Jungfrau, dass die Verehrung ihres Unbefleckten Herzens der Weg zum Heil wäre, “für Menschen aus dem angelsächsischen und deutschen Kulturraum überraschend” sei. Warum sagt er das? Sind die Engländer und die Deutschen zu ignorant, um über das Herz Jesu gehört zu haben,275 über die heilige Margarita Maria Alacoque, den heiligen Philipp Benitius, ganz zu schweigen von Papst Leo XIII., oder sind sie zu intelligent, um so einem italienischen oder spanischen Romantizismus zu erliegen? Sagt der nüchterne Deutsche seinem Mädchen: “Ich liebe Dich mit meinem ganzen Hirn,” oder würde ein entschlossener Engländer seine Leidenschaft mit einer trockenen Referenz auf seine Fakultät des Willens mitteilen? Was ist der Zweck solcher lächerlichen Bemerkungen? Die Antwort könnte in den Zeilen liegen, die dieser unverständlichen Überraschung des Kardinals folgen.

       Kardinal Ratzingers “Versuch einer Auslegung” scheitert völlig in der Interpretation dessen, was ohnehin nicht das Geheimnis als solches ist, da dies ja nicht veröffentlicht wurde, aber es gelingt ihm, nichts geringeres als die Unbefleckte Empfängnis herabzusetzen. Dieser eminente Kirchenfürst vergisst offenbar, dass die Muttergottes, als sie in Lourdes erschien, sich nicht als die “unbefleckt Empfangene” vorstellte, sondern: “Ich bin die Unbefleckte Empfängnis.” Nur sie unter allen blossen Geschöpfen wurde jemals ohne die Erbsünde empfangen und beging nie eine persönliche Sünde. Nur ihre Herz ist daher das Unbefleckte Herz. Kardinal Ratzinger zögert überhaupt nicht, diesen Begriff, der der Muttergottes vorbehalten ist zu inflationieren, indem er jedes Herz einschliesst, “das ganz zu einer inneren Einheit von Gott her gefunden hat und daher ‘Gott sieht’.” Er geniert sich nicht einmal, das Evangelium für diese Auslegung zu missbrauchen, indem er Matthäus 5:8 zitiert: “Selig die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott sehen.” Christus spricht über die, die reinen Herzens sind, nicht eine gänzliche innere Einheit und schon gar nicht das einzige Unbefleckte Herz. Wenn wir diese implizite Verneinug der Exklusivität des Unbefleckten Herzens weiterspinnen, dann müssen wir zum Schluss kommen, das alle Priester allerheiligste Herzen haben, denn sie sind ja als alter Christus (ein weiterer Christus) geweiht, was ihren lateinischen Titel Reverendus - ein zu Verehrender - erklärt. Aber zu behaupten, dass alle Priester allerheiligste Herzen hätten, wäre gotteslästerlich, genau was man über die Herabsetzung des Unbefleckten Herzens durch Ratzinger denken sollte.

       Sogar der typisch protestantische Einwand, “wir sollten doch nicht einen Menschen zwischen uns und Christus stellen,” wird von Ratzinger in anscheinender Ignoranz über die Gottesmutter beantwortet: er zitiert die Ermahnung des heiligen Paulus “Ahmt mich nach,” statt zu erklären, dass es unser Herr Selbst war, Der einen Menschen zwischen Sich und uns stellte, indem Er Seine Mutter zur Mediatrix aller Gnaden machte!

       In seiner Untersuchung der einzelnen Bilder in der Vision über den Bischof in Weiss sagt er weiter:

       Damit wird das Moment der Freiheit des Menschen ins Spiel gebracht: Die Zukunft ist keineswegs unabänderlich determiniert, und das Bild, das die Kinder sahen, ist kein im voraus aufgenommener Film des Künftigen, an dem nichts mehr geändert werden könnte.... Der Sinn der Schauung ist es eben nicht, einen Film über die unabänderlich fixierte Zukunft zu zeigen.

       Das ist schon wieder eine Leugnung der Prophetie: Die Kinder hatten keineswegs nur eine konditionelle Vision. Die Muttergottes unterschied klar die unveränderliche Zukunft von den Konsequenzen falls man ihren Wünschen nicht entsprechen würde. Die wirkliche Zukunft ansich, das was nun wirklich eintreten wird, als veränderlich zu erklären, ist gegen die Lehre der Kirche über die göttliche Vorsehung und die Prädestination. Der ewige Plan der göttlichen Vorsehung ist unveränderlich weil Gott unveränderlich ist und nichts kann unabhängig von der göttlichen Vorsehung geschehen.276 In Seiner göttlichen Weisheit kennt der Herr die ganze Zukunft, die daher unveränderlich ist, wie das Erste Vatikanum lehrt (DS 3003).

       Wenn Kardinal Ratzingers Behauptung das meint, was sie sagt, dann wäre er wenigstens ein materieller Häretiker; wenn sie meint, man könne die Zukunft verändern, indem man den Wünschen der Muttergottes folgt, dann ist sein Begriff der Zukunft verdreht. Wenn ein Mann sich entschliesst, Priester zu werden statt Familienvater, dann ändert er nicht seine Zukunft, die feststand, bevor er geboren war, er hat nur seinen Entschluss geändert. Die Äusserung Ratzingers ist entweder der Ausdruck eines Subjektivisten oder eines Häretikers. Letzteres dürfte zutreffen im Lichte seiner Rede, “dass es kein unabänderliches Schicksal gibt.”

       Des Kardinals subjektivistische Sicherheit in seinem Ausschliessen jeglicher Art des filmischen Bildes zeigt, wen er für den wahren Propheten von Fatima hält: sich selbst.

       Schliesslich wird Schwester Lucia als Seherin abgebaut durch Ratzingers Feststellung, dass der Schluss des Geheimnisses an Bilder erinnert, “die Lucia in frommen Büchern gesehen haben mag.” Das ist gleichbedeutend mit einer Erklärung der ganzen Vision als völliges Produkt der Phantasie und das passt genau in den Plan, Fatima in “nichts mehr als allgemeine katholische Frömmigkeit und Gemeinplätze, die Ereignisse, die längst vergangen sind einschliessen” untergehen zu lassen, wie P. Gruner in seinem Artikel richtig sagt.

d. Ratzingers Sauerteig.

       Kardinal Ratzingers Versuch, die Botschaft von Fatima unter dem Mäntelchen der gelehrten “Auslegung” verschwinden zu lassen, erinnert einen an die Worte des Herrn in Seiner Ermahnung der Jünger: “Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und der Sadduzäer” (Mt. 16:6). Zuerst verstanden die Jünger, die gerade Brot assen nicht. Was hatte diese Rede vom Sauerteig im Brot mit den Pharisäern zu tun? Doch dann verstanden sie ihn: “Nunmehr begriffen sie, dass er es nicht so gemeint hatte, als sollten sie sich vor dem Sauerteig des Brotes hüten, sondern vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer” (Mt. 16:12).

       Wie Erzbischof Alban Goodier S.J., in seinem klassischen Kommentar über diese Stelle der Schrift sagte:

       Es war gar nicht sosehr ihre Gegnerschaft, die Er für die Seinen fürchtete, sondern ihre Subtilität. Zuvor hatten die Pharisäer Ihn für Seine Wunder und anderen guten Taten beschuldigt: Er wusste das würde Seine Freunde nicht von Ihm wegziehen. Nun aber waren sie diesen Morgen gekommen in ihrer aufgesetzten Einfachheit, ihrer vorgespielten Begierde, die Wahrheit zu kennen, dem Appell an die Propheten, dem Eifer für die Tradition, dem Respekt für Gesetz und Ordnung und den Gehorsam gegenüber den Machthabern; und all das, wusste Er, würde sich auf die Seinen weit mehr auswirken, als jegliche offenen Feindschaft. Wie ein Sauerteig würde sich das unter ihnen unbewusst verbreiten, wenn sie nicht sehr sorgfältig wären.277

       Die Jungfrau von Fatima war in ihrer Botschaft deutlich und klar, so wie unser Herr Selbst, aber Kardinal Ratzinger, wie die Pharisäer von damals, ist voller Subtilitäten und Schriftzitate, die kunstvoll arrangiert die Einfachheit der Wahrheit Gottes verschleiern. Und wie die Pharisäer präsentiert der Kardinal seine Verdunklung mit einer grossen Zurschaustellung seines Respektes für die Vision und die Seherin, aber unter der Maske des Respektes liegt eine nur schwach getarnte Verachtung. Sowie der Kardinal mit seiner pharisäischen Bewunderung für Fatima fertig ist, bleibt nichts über. Für ihn ist die ganze Angelegenheit so subtil, dass sie schon verschwindet.

       Aber die Erscheinungen sind keineswegs so subtil. Sie wurden kleinen Kindern, die nicht lesen konnten für die Erbauung und Führung der grossen Weisen dieser Welt, einschliesslich der Theologen im Vatikan gezeigt.

7. Konklusion.

       In einem der merkwürdigeren Ereignisse in der ohnehin schon merkwürdigen nachkonziliaren Kirche, sind wir mit hübsch einigen Fragen konfrontiert, die sich aus den unorthodoxen Kommentaren von Ratzinger und Bertone über die Vision des dritten Geheimnisses ergeben:

  • Warum werden die eigentlichen Worte der Muttergottes, das eigentliche dritte Geheimnis, das auf einem einzelnen Blatt Papier niedergeschrieben ist und sich wahrscheinlich noch im päpstlichen Safe befindet, der Öffentlichkeit vorenthalten und sogar geleugnet?

  • Warum wird die publizierte Vision, die sich offensichtlich mit dem Mord an einem zukünftigen Papst befasst, in Zusammenhang mit dem gescheiterten Papstattentat von 1981 gebracht?

  • Warum wird die Lüge, dass die Weihe Russlands vollzogen sei wiederholt?

  • Warum die absurde Feststellung: “Die Entscheidung des Heiligen Vaters Papst Johannes Paul II., den dritten Teil des ‘Geheimnisses’ von Fatima zu veröffentlichen, beschliesst einen Zeitabschnitt, der davon gezeichnet ist, dass sich menschliches Wollen auf tragische Weise mit Gewalt und Bosheit verbinden kann”?

  • Warum steht Seine Heiligkeit für hunderte von politischen Treffen zur Verfügung, hat aber keine Zeit für Schwester Lucia?

  • Warum wird die Lüge vom Fall des Kommunismus 1989 wiederholt?

  • Warum wird das Geheimnis, das so lange geheimgehalten worden war nun als “kein grosses Geheimnis” heruntergespielt und zur Symbolik abgestuft?

  • Warum wird die Vorhersage der Zukunft in der Prophezeiung verneint?

  • Warum wird das Unbefleckte Herz herabgesetzt und dem “reinen Herzen” verglichen?

  • Warum wird die unveränderliche Zukunft und damit Gottes Vorsehung wenigstens implizit geleugnet?

  • Warum wird die Vision Schwester Lucias durch die Erwähnung der frommen Bücher als Quelle lächerlich gemacht?

  • Warum erklären die Prälaten nicht die Signifikanz des Satzes: “In Portugal wird das Dogma des Glaubens erhalten bleiben etc.”?

  • Was ist überhaupt der Zweck der Veröffentlichung der Vision des dritten Geheimnisses, wenn die Worte der Muttergottes geheimgehalten werden und die Vision ins nichts zerredet wird?

       Die Evidenz deutet auf eine Antwort auf alle diese Fragen: Wann immer wir es mit irgend einer Art von Sünde zu tun haben, wie etwa einer Lüge, dann müssen wir die Frage stellen: Cui bono? Zu wessen Vorteil?

       Die Erfindungen des Vatikans und die Unzusammenhänglichkeiten über das dritte Geheimnis als solches können nicht irgend ein dummes Spiel einiger gelangweiligten Prälaten sein. Hinter solchen Lügen, die noch dazu so leicht aufgedeckt werden können, muss ein wichtiger Zweck stecken. Warum die Entlarvung riskieren, wenn nicht für einen wichtigen Zweck?

       Nachdem es offensichtlich ist, dass das dritte Geheimnis nicht missbraucht wird, um irgend eine politisch korrekte Variante der Zukunft zu verkünden, sondern - im Gegenteil - in die Vergangenheit geschoben wird und jeglicher Wichtigkeit beraubt wird, so muss der einzige Zweck der ganzen Publikation in einer strategischen Ablenkung von den eigentlichen Worten der Muttergottes sein: Eine Vision und eine Prophezeiung werden in eine Täuschung (deception) gedreht - oder wie es die Geheimdienste so schön nennen: Auffassungssteuerung (perception management).

       Diese Antwort ist weit von einer blossen Spekulation entfernt. Jeder einzelne Beweis, den wir bisher diskutiert haben, einschliesslich der Vision des dritten Geheimnisses selbst und anderer approbierter Erscheinungen, die Kardinal Ratzinger 1984 erwähnte, deuten auf die Schlussfolgerung, dass das eigentliche dritte Geheimnis die der Öffentlichkeit vorenthaltenen Worte der Muttergottes sein müssen und möglicherweise der eigentliche Text der angebliche veröffentlichten Vision.

       Wir schliessen dieses Kapitel mit einigen weiteren, durch die bisherigen Beweise provozierten Fragen.

       Warum hat die internationale Presse die “Vision” - meistens ohne Kommentar oder Widerspruch - veröffentlicht? Sonst sind sie nämlich sehr effizient in ihrem Belächeln, Bezweifeln, Verneinen und Verleumden des Heiligen. Man bedenke die internationale Reaktion auf die Ankündigung der Seligsprechung Papst Pius IX. Zugegebenermassen ist das kein strikt theologisches Argument. Die Betrachtung der Wahrscheinlichkeit aber wurde von Thomas Aquinas, dessen gesunder Menschenverstand “der Sinn für das Wahrscheinliche” ist, wie G. K. Chesterton sagt akzeptiert.

       Warum sollten wir uns so sicher sein über die Echtheit des veröffentlichten Textes oder “Schwester Lucias persönliche” Bestätigungen der Echtheit seiner Interpretationen? Zwei der höchsten Prälaten des Vatikan zögern in ihrem gemeinsam präsentierten “Kommentar” nicht mit der Erklärung, dass das dritte Geheimnis “kein grosses Geheimnis” enthält. Sie präsentieren uns eine Sammlung absurder und in sich widersprüchlicher Behauptungen, die von der Beleidigung unserer Intelligenz bis zur Häresie und Blasphemie gehen.

       Können wir angesichts dieser Tatsachen überhaupt sicher sein, dass “Schwester Lucias Zeilen” nicht das Produkt eines Computerprogrammes sind, das jede beliebige Handschrift imitieren kann und für weniger als hundert Dollar erhältlich ist? Wer hat denn die Erlaubnis, Schwester Lucia über die Veröffentlichung zu befragen? Wir sicher nicht.

       Das ist keineswegs ein Ausdruck des Verfolgungswahnes, sondern schlicht und einfach kluger Zweifel bezüglich der gewohnten Ehrlichkeit von Personen, die uns nachweisliche Lügen aufgetischt haben. Man ist nicht paranoid, wenn man an Widersprüchen und Ungereimtheiten zweifelt.

       Wenn überhaupt, dann kann es nicht viele Gründe für die Verheimlichung einer Botschaft der Muttergottes geben. Es wäre vorstellbar, dass die Botschaft so erschreckend ist, dass man Panik befürchten muss, wie etwa die Prophezeiung einer lokal begrenzten Katastrophe, einer Flut oder eines Nuklearangriffes. Oder die Botschaft könnte allzu symbolisch sein, um sie verstehen zu können, wie das mit einigen Zeilen in der Apokalypse der Fall ist. Oder die Botschaft könnte sehr klar und deutlich sein, aber äusserst peinlich für diejenigen, in deren Macht die Veröffentlichung der Botschaft steht.

       Es scheint offensichtlich, dass die ersten beiden Möglichkeiten nicht im Stil Fatimas und der meisten marianischen Erscheinungen liegen, womit uns nur die dritte Möglichkeit bleibt: Der Vatikan hat etwas zu verstecken, was äusserst peinlich wäre. Wir erinnern uns an das Zeugnis von P. Joaquin Alonso:

       Es ist daher völlig wahrscheinlich, dass der Text konkrete Referenzen auf die Glaubenskrise in der Kirche macht und auf die Nachlässigkeiten der Hirten selbst [und die] internen Kämpfe im Herzen der Kirche und die grobe seelsorgliche Fahrlässigkeit der oberen Hierarchie.278

       Das ist in völliger Übereinstimmung mit der Erscheinung und Botschaft von La Salette, 1846, der Erscheinung von Unserer Lieben Frau vom guten Erfolg in Quito 1634 und einigen anderen.

       Möglicherweise kennen wir sogar den eigentlichen Text des dritten Geheimnisses: Da gibt es die Geschichte von einem angeblich sehr zuverlässigen Priester in Frankreich, der vor einigen Jahren beim Anhören eines Oratoriums eine Botschaft gehört zu haben behauptet:

       Ein böses Konzil wird geplant und vorbereitet werden, das das Gesicht der Kirche verändern wird. Viele werden den Glauben verlieren und es wird überall Verwirrung herrschen. Die Schafe werden vergeblich ihre Hirten suchen. Ein Schisma wird die Tunika meines Sohnes zerreissen. Das wird das Ende der Zeiten sein, das in der Heiligen Schrift vorhergesagt ist und von mir an vielen Orten in Erinnerung gerufen wurde. Die Schändlichkeit der Schändlichkeiten wird ihren Höhepunkt erreichen und die in La Salette angekündigte Strafe nach sich ziehen. Der Arm meines Sohnes, den ich nicht weiter zurückhalten werde können, wird auf diese arme Welt, die für ihre Verbrechen büssen muss, hinabschlagen. Man wird nur noch von Kriegen und Revolutionen reden. Die Elemente der Natur werden erschüttert werden und Furcht einflössen, selbst den Besten (den Mutigsten). Die Kirche wird aus allen ihren Wunden bluten. Glücklich, wer durchhält und bei meinem Herzen Zuflucht sucht, denn am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren.

       Natürlich gibt es keinen Beweis für die Echtheit dieses Textes. Wir dürfen nicht behaupten, dass das das echte dritte Geheimnis wäre. Allerdings hat es weit mehr Sinn, als alles, was in der “Interpretation” des visionären Teiles des dritten Geheimnisses durch den Vatikan enthalten ist.

       Die Häresien und die Apostasie, die dem Zweiten Vatikanum folgten, sind von solch einer tragischen und universellen Wichtigkeit, dass der gesunde Menschenverstand dies als das dritte Geheimnis oder wenigstens einen Teil davon sehen muss. Ist es denn möglich, dass die Muttergottes vom Ende des ersten Weltkrieges, dem Beginn des zweiten unter Pius XI., der Verbreitung der Irrtümer Russlands, Russland als dem Instrument der Bestrafung, einem zukünftigen, durch Soldaten erschossenen Papst wusste, aber nichts von den katastrophalen Entwicklungen in der Kirche, die mit dem Zweiten Vatikanum auswuchsen und alle Kriege im Vergleich trivial erscheinen lassen? Wie doch Paul VI. schon zitiert wurde:

       Die Kirche findet sich in einer Stunde der Unruhe, der Selbstkritik, man möchte sagen, sogar der Selbstzerstörung! Es ist wie ein innerer, akuter und komplizierter Umsturz, auf den niemand nach dem Konzil gefasst war.279

       Er erwähnte auch den “Rauch Satans” der in die Kirche eingedrungen war. Sogar Paul VI., der doch im Zentrum der Krise stand, erkannte die Katastrophe bis zu einem gewissen Punkt. Ist es vorstellbar, dass die Gottesmutter in Fatima nichts darüber zu sagen hatte, wenn doch andere approbierte Erscheinungen, wie Ratzinger zugibt, von den Gefahren für den Glauben sprechen? Das ist offensichtlich unmöglich.

       Während es also keinen Beweis gibt - wir wollen das erneut unterstreichen - für die Echtheit der oben zitierten Botschaft, die der französische Priester behauptet, empfangen zu haben, so gibt es dennoch keine Alternative dafür, dass das dritte Geheimnis etwas in dieser Art enthalten muss.

Notes:

261 Zwischen 1986 und 1991 haben mehrere Sanpietrini, die uniformierten Wachen im Petersdom im Rom, H.H. DDr. Gregor Hesse (der jahrelang im Vatikan gearbeitet hat) persönlich bestätigt, dass nach fast jeder Papstmesse auf dem Platz, am Boden heilige Hostien gefunden werden.

262 Nur eine Religion, in der man gerettet werden kann, kann Gotte gefällig sein und es gibt nur eine (was ein Dogma des Glaubens ist), womit die gegenteilige Bahauptung Häresie ist und sie ist auch Gotteslästerung, denn Gott, der die Wahrheit ist, kann nicht sorglos sein über die Wahrheit.

263 Cf. Fr. Paul Kramer, “Third Secret Revealed, But Not All of It” (The Fatima Crusader, no. 64, Sommer 2000), p. 115.

264 Fr. Nicholas Gruner, “The 3rd Secret Release Raises More Questions” (The Fatima Crusader, no. 64, Sommer 2000), pp. 55f.

265 Cf. Daniel le Roux, Petrus liebst du mich? (Stuttgart 1990), p. 110. Für den Skeptiker sind hier nur Photos zitiert!

266 Ibidem, p. 112.

267 Ibidem, p. 137.

268 Ibidem, p. 155.

269 Ibidem, p. 172.

270 Ibidem, p. 177.

271 Ibidem, p. 236.

272 Ibidem, p. 144.

273 Cf. Fr. Paul Kramer, “Third Secret Revealed, But Not All of It” (The Fatima Crusader, no. 64, Summer 2000), pp. 118 ff.

274 Cf. Bischof Emile Bougaud, The Life of St. Margaret Mary Alacoque (TAN Books and Publishers, 1990), chapter XIV.

275 Im 13. Jahrhundert war die hl. Gertrud, eine Deutsche, “die Verkünderin des Heiligsten Herzens.” Benedictine Sisters of Clyde, Missouri, St. Gertrude the Great (TAN Books and Publishers, 1979), pp. 26ss. So kann man auch nicht verstehen, warum der “deutsche Kulturraum” die Verehrung des Unbefleckten Herzens irgendwie merkwürdig finden könnte.

276 St. Thomas Aquinas, Summa Theologiae, I, q.22, a.2.1.

277 Erzbischof Alban Goodier, SJ, The Public Life of Our Lord Jesus Christ, vol. 1 (Burns, Oats & Washbourne Ltd., London 1932), p. 462.

278 Br, Michel, III., p. 704. Referiert wird auf P. Alonso, La Verdad sobre el Secreto de Fatima (Cientro Mariano, Madrid, 1976), pp. 103-106.

279 Paul VI., Ansprache im Lombardischen Kolleg am 7. Dezember 1968. Zitiert aus: Anton Holzer, Vatikanum II, Reformkonzil oder Konstituante einer neuen Kirche (Linsenmann, Basel 1977), p. 29.


          

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